
Bruce Guthro in Frankfurt © Foto: Rainer Sander
Bruce Guthro in Weihnachtsstimmung
FRANKFURT. Bruce Guthro, der „Schotte aus Nova Scotia“ (Cape Breton Island/Kanada) hatte 20 Jahre lang das Problem, der „neue Sänger“ bei Runrig zu sein. Das wäre er auch in 20 Jahren noch gewesen. Plötzlich – nach Auflösung der band – hat er das Problem, Runrig ohne die Band zu sein…
Vorgestern in Frankfurt gab es reichlich ehrlichen Applaus für ein Programm, das nicht neu gewesen ist für diejenigen im Publikum, die wussten, dass er ein (Musiker-) Leben vor (und auch während) Runrig hatte und ungewohnt für alle, die von der Hoffnung getrieben gekommen waren, es gäbe ein Runrig-Konzert, nur mit anderen Musikern… Diese haben jetzt das Problem, die „Neuen“ zu sein?
Ach, ist das kompliziert mit den Emotionen, der Trauer und dem Einlassen auf Veränderungen. Zum einen war das zweite Konzert auf der Celtic Xmas Tour von Bruce Guthro ein ganz normales Konzert für die Vorweihnachtszeit. Wie die Nikoläuse und die Lebkuchen ein bisschen früh, aber – meine Güte – diese Woche sind die ersten Weihnachtsmärkte…
Dylan Guthro an der Sologitarre und Jodi Guthro am Mikrofon
Bruce Guthro ist sichtbar gut drauf, hat Freude an dem, was er dort auf er Bühne tut. Kein Wunder, denn mit dabei sind Dylan Guthro an der Sologitarre und Jodi Guthro am Mikrofon. Schön singt sie, seine Tochter und durchaus energiereich der Sohn an der Gitarre. Im Kreise der Familie lässt es sich auf jeder Bühne gut aushalten. Da ist Harmonie zu spüren. Jodi Guthro erzählt, dass sie den Vater oft am Flugzeug nach Frankfurt verabschiedet hat und jetzt hier auf der Bühne zu stehen, sei eine große Ehre für die. Kurz nach dem Auftritt hat sich auf Facebook der Jodi-Guthro-Fanclub Deutschland gegründet. Na bitte!
Bruce erzählt locker, wie der Engel auf die Christbaumspitze gekommen ist und zur Runde am künstlichen Lagerfeuer gibt es Jägermeister statt Talisker. Mit lockerem Musik-Talk fing die 7-köpfige Band das Publikum locker ein. Es ist nicht leicht, aus einer Mischung mit schottisch/irischen Pub-Songs, keltischen Taditionals, Weihnachtsliedern und schließlich noch drei Runrig-Titeln ein Paket zu schnüren, das begeistert. Es ist den sieben tatsächlich fast perfekt gelungen. Maßgeblich dazu beigetragen hat die Irish-Celtic Violinistin Roisin Ryan. Little Drummer Boy mit Keltischer Flöte – gespielt von Matt Bashford – hat übrigens genauso begeistert die der Runrig Song Hearts Of Olden Glory und Stille Nacht haben die Fans (fast) genauso gut mitgesungen, wie sonst Loch Lomond oder Every River. Ok, ohne Doppelklatschen Arme strecken…
Es ist die Stimme, die mitnimmt…
Diese beiden Runrig Klassiker gab es nicht zu hören. Das wäre zu viel des Guten gewesen. Dafür „Go Tell It on The Mountain“ Und Trotzdem: Bei Rocket To The Moon steht das Publikum. 900 waren es in der Jahrhunderthalle. Bei der präsentierten Vielfalt wird eines klar: Es ist die Stimme von Bruce, die einen mitnimmt, mal träumen lässt, wenn’s romantisch wird und mal mitreißt, wenn es richtig rockig wird. Und wer Runrig will, muss warten, bis die erste Tribute Band auf Tour geht (das kann ja nicht lange dauern). Den einen oder anderen Runrig-Song zu hören, sind willkommene Extras. Schön und angenehm inspirierend, dass Bruce Guthro sie mit eigener Note spielt. Er zeigt auch Größe, wenn er die Songwriter-Qualitäten von Rory und Calum McDonald, die er im Facebook-Chat als gute Freunde bezeichnet, herausstellt und nicht versucht so zu klingen, wie eine Band, die sowieso einzigartig war.
Es war ein Bruce Guthro-Konzert, bei dem schnell klar war, dass hier jemand auf Tour ist, der schon vor Runrig zwei Alben produziert hat und der es nicht nötig hat, als Ex-Sänger oder Ex-neuer-Sänger von Runrig auf Tour zu gehen. Die Guthro Fans von Bruce, Jodi & Dylan dürfen sich noch auf viele schöne Touren und Konzerte freuen. Und irgendwann kommen auch wieder ein paar Tausend in die Hallen. Bestimmt! (rs)