
Im Grünstreifen zwischen Schwalm und Stadion könnte der Standort sein © Foto: Rainer Sander
Basketballfeld beschlossen – Radweg-Antrag verworfen
SCHWALMSTADT. „Der Magistrat wird aufgefordert, ein Basketballfeld in Treysa errichten zu lassen!“ Das forderte die CDU per Antrag in der Stadtverordnetenversammlung Schwalmstadt und sorgte damit für den diskussionsreichsten Punkt in der Sitzung am Donnerstagabend.
Die Begründung:
Seit geraumer Zeit gibt es erhebliche Probleme durch Jugendliche, die sich innerhalb der Innenstadt in unmittelbarer Nähe zu Wohnhäusern aufhalten. Permanent kommt es zu erheblichen Konflikten mit Anwohnern aufgrund der Lärmbelästigung. Alle Versuche die Situation zu verbessern, zeigen bisher keinen Erfolg. Nach Auffassung der CDU-Fraktion verhindert vor allem der Umstand, dass kein alternativer Platz als Treffpunkt für Jugendliche angeboten werden kann, eine erkennbare Verbesserung.
Als erstes solle ein Basketballfeld angelegt werden. Ein solche robust ausgelegte Anlage biete keine Angriffsfläche für Vandalismus, formuliert die CDU. Weitere Optionen wie Sitzplätze (evtl. mit Überdachung) und Skateranlagen oder weitere Standorte, beispielsweise in Ziegenhain, könnten bei entsprechender Akzeptanz später geplant werden.
Standort an der Schwalm vor dem Stadion
Als erster Standort bietet sich nach dem Antrag die Fläche an den Bleichwiesen im Bereich Wohnmobilstellplatz bis zur Sporthalle an. Diese liegt zentral, ist einsehbar und bietet genug Abstand zu Anwohnern. Die Stadtjugendpflege oder Sportvereine könnten ihr Angebot nach den Vorstellungen der Christdemokraten dadurch erweitern.
Marcus Theis findet in anderen Städten belebte Plätze, die nachgefragt und angenommen werden. Ein Basketballplatz wie in Rotenburg oder Melsungen fehle. Er rechnet mit 75.000 Euro und 65.000 Euro ohne Zaun. Der Ortsvorschlag sei durchaus offen, aber es sollen einerseits keine Anwohner belastet werden und andererseits darf die Anlage trotzdem nicht zu weit „vom Schuss“ sein.
Lebhaftes Für und Wider
Sebastian Vogt (SPD) kritisiert: Streetwork wurde installiert, Kompass eingeführt und seit vielen Jahren wird über Ruhestörung und Vandalismus diskutiert. Die SPD begrüßt den Ansatz, erinnert aber an die beiden Plätze im Parkwäldchen und in Hephata. Den Jugendlichen etwas vorzusetzen wäre der falsche Weg. Er wünscht sich einen Ideenwettbewerb, in dem die jungen Menschen ihre Wünsche äußern können. In Baunatal werde gerade über ein bestehendes Basketballfeld diskutiert, wie nh24 berichtet hat.
Dr. Jochen Riege (B90/GRÜNE) findet es immer gut, die Betroffenen Bürger zu beteiligen. Er fürchtet allerdings, dass das zu lange dauert. Also wäre es gut, jetzt einfach etwas zu machen und die Verwaltung müsse sich dann um den Standort kümmern. Die nicht vereinsgebundenen Jugendlichen brauchen einen Platz. Allerdings müsse auch etwas für die Mädchen geschehen, Basketball sei ein typischer Sport für Jungen. Den CDU-Antrag findet er ganzheitlich und auch die Schwalm für den Freizeitbereich – sogar im Hinblick auf eine Landesgartenschau – als entwicklungsfähig. Frank Pfau (FDP) möchte auch sofort anpacken. Den Standort findet er allerdings unglücklich. Es könnten Bälle in die Schwalm fallen und nach dem Urteil über Seigertshausen (nicht eingezäunter Freizeit-Teich) fände er es unglücklich, wenn Kinder versuchen würden, diese aus der Schwalm zu fischen.
Von Schildkröten, Spatzen, Tauben zum Basketball
Daniel Helwig (SPD) warnt als ehemaliger Jugendarbeiter davor, etwas zu tun, an dem die Jugendlichen nicht beteiligt sind. In Melsungen habe man das getan und das sei erfolgreich. In Fritzlar sei das nicht erfolgt und der Zuspruch entsprechend geringer: Lieber den „Großen Wurf“ tun und richtig Geld in die Hand nehmen, damit es auch was wirkt, so Hellwig
Thomas Kölle (FW) bemüht die Allegorie mit der Schildkröte. Für sie ist langsam auch schnell. Irgendwann müsse man anfangen. Vielleicht liege man damit falsch, aber nur vielleicht. Inge Schmidt-Nolte (LINKE) hat es noch nie erlebt, dass es so lange dauert, bis sich jemand bewegt und eine Konzept vorlegt. Die LINKE ist jetzt eher für den „Spatz in der Hand“ als für die „Taube auf dem Dach“.
Markus Theis möchte wissen, welche Jugendlichen man denn befragen will. Es gäbe keine repräsentative Gruppe. Er hört immer wieder, dass die Jugendlichen einen Platz wollen, von dem sie nicht verjagt werden. Und was Jugendliche nicht haben, sei Geduld.
Bürgermeister Stefan Pinhard (PARTEILOS) hat sich einerseits gefreut und sich dann gefragt, wo etwas bereits existiert. Er erkennt einen Beteiligungswunsch bei den Jugendlichen. Die Gründe für bisherige Verzögerungen sieht er verteilt.
Beschluss für das Basketballfeld
Das Basketballfeld wird in Treysa (ohne Standortfestlegung) gebaut, dafür stimmten 16 Stadtverordnete. 14 waren dagegen, 2 enthielten sich.
CDU-Fraktion möchte Radweg in der Wierastraße prüfen
Mit einem Prüfauftrag zum Radweg in der Wierastraße möchte die CDU-Fraktion folgendes erreichen: Der Magistrat wird gebeten, die Machbarkeit und das Pro und Contra eines einseitigen, in beide Fahrtrichtungen nutzbaren Radwegs in der Wierastraße zu prüfen, die Kosten zu schätzen und den Gremien zeitnah vorzustellen. Bei der Kostenschätzung sollen Zuschussmöglichkeiten, auch im Hinblick auf den Radweg „Deutsche Einheit“ und andere Förderquellen, sowie Kostenbeteiligungen durch Hessenmobil mit geprüft werden.
Der Hobby-Radfahrer Marcus Theis (CDU) findet sich bei Radstreifen immer unsicher und dass es erlaubt sein muss, Fragen zu stellen, wenn Zweifel an einem Konzept geäußert werden. Landwirte hätten bereits vor einer Querungshilfe gewarnt und selbst der Radwegexperte Ulrich Wüstenhagen (B90/GRÜNE) habe Zweifel angemeldet. Ein Radweg wie in Wiera sei sicherer und besser als ein Radstreifen.
Rote Rosen in Schwalmstadt?
Stadtverordnetenvorsteher Reinhard Otto hat sicher in den letzten Tagen viel „Rote Rosen“ geschaut, weil er als nächstes Herrn Lichtenhagen statt Herrn Wüstenhagen aufrief? Dieser lobte die CDU dafür, dass sie sich für die Radfahrer einsetzt. Er würde den Antrag aber ablehnen, weil bestehende Vorschriften und Realitäten nicht beachtet werden. Radwege in zwei Richtungen sollen nicht mehr sein. Alle Einmündungen und Grundstücksausfahrten wären Gefahrenquellen, weil niemand mit Verkehr von rechts rechnet. Was jetzt existiere, sei ein Kompromiss.
Bürgermeister Stefan Pinhard verwies auf das Radverkehrskonzept. Es gebe für Radschutzstreifen und Querungshilfen bereits Genehmigungen. Man warte nur noch auf den Förderbescheid. Die Fraktion der FW bat, sich auf die Kompetenz des Radverkehrsbeauftragten zu verlassen.
Der Prüfantrag wird mit 18 Nein-Stimmen verworfen.
Starker Wind bleibt vorerst aus
Zwei Anträge der Fraktion Freie Wähler Schwalmstadt zur ehemaligen Nachsorgeklinik im Schützenwald und unter dem Thema „Starker Wind für Schwalmstadt“, werden zurückgestellt, die Grundstücksangelegenheiten nicht öffentlich behandelt. (Rainer Sander)
Alle Artikel aus der jüngsten Stadtverordnetenversammlung:
Schwalmstadt baut… https://nh24.de/2020/08/23/schwalmstadt-baut/
Schwalmstadt rechnet… https://nh24.de/2020/08/23/schwalmstadt-rechnet/
Schwalmstadt spielt Basketball und fährt Rad… https://nh24.de/2020/08/22/schwalmstadt-spielt-basketball-und-faehrt-rad/
Wilde Tiere in Schwalmstadt? https://nh24.de/2020/08/22/wilde-tiere-in-schwalmstadt/
2 Kommentare
Einen kleinen Freizeitpark kann man errichten wo sich jugendliche und familien aufhalten können
Was ist denn nun eigentlich aus diesem Parkraumkonzept geworden? Welche Lösungen gibt es für Anwohner der Altstadt? Oder wurde hier wieder einmal Geld in Gulli geworfen?
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