Kolumne
DIE KOLUMNE: 63 Drucken E-Mail
Freitag, den 11. April 2014 um 18:10 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. 63 ist die magische Zahl, die zurzeit die Republik entzweit. Sollen wir oder sollen wir nicht, denen mit 63 die Rente ohne Abschlag gewähren, die 45 Jahre gearbeitet und Beiträge gezahlt haben? Und auch Zeiten der Arbeitslosigkeit hinzurechnen? Heikel ist das Thema allemal!

Seit Unterzeichnung des Koalitionsvertrages hören wir von den Akteuren in Berlin, dass wir Alte nicht gegen Junge ausspielen dürfen, Menschen die gearbeitet haben nicht gegen Arbeitslose, dass wir die Generationengerechtigkeit nicht beschädigen dürfen oder dass eine Lebensleistung honoriert werden muss. Soweit ok!

Ob wir uns fragen, ob diejenigen, die eine lange Ausbildung oder ein schwieriges Studium hinter sich haben und deshalb später ins Berufsleben einsteigen konnten nicht gleichwertiges geleistet haben, ob wir uns fragen, wie gerecht es ist, wenn jemand, der sehr lange körperlich gearbeitet hat auch erst mit 67 in Rente gehen kann, wie jemand, der nur kurz gearbeitet hat, ist im Grunde ziemlich unerheblich. Es gibt keine alleinige Wahrheit. Die Wahrheit liegt stets im Standort des Betrachters…

Dabei ist das System der Rente ziemlich einfach. Wir können jegliche Kreativität im Gestalten der Altersbezüge entwickeln, Szenarien für neue Einstiegsstufen festlegen, den Berechtigtenkreis variieren, die Renten erhöhen oder senken: am Ende muss immer gerade so viel eingezahlt werden, wie ausgezahlt wird. Das ist tatsächlich die einzige Wahrheit bei der Rente. Und wird weniger eingezahlt, so kann die Rente folgerichtig nur niedriger ausfallen, als würde mehr eingezahlt. Jeder Rentner fällt als Beitragszahler fort und jeder Beitragszahler muss seinen Teil leisten, damit alle Rentner etwas bekommen.

Gerne werden Rücklagen in der Rentenversicherung diskutiert und private Vorsorge angemahnt. Gleichzeitig muss der Staat aber seine Schulden – im Zweifel auch die, die er für die Finanzierung der Renten aufbringen muss – mit Hilfe einer zumindest spürbaren Inflationsrate verringern. Das heißt, unsere privaten Vorsorgeleistungen schrumpfen, bis wir sie in Anspruch nehmen und genauso würde es den Rücklagen ergehen. Eine Rentenaufstockung aus Steuermitteln wäre ebenso eine Milchmädchenrechnung, denn Steuerzahler und Beitragszahler sind überwiegend die gleichen…

Theoretisch können wir auch die Rente mit 35 beschließen. Wenn wir damit gleichzeitig das Bewusstsein verknüpfen, dass dann ein Beitragszahler die Rente für vermutlich mindestens fünf Rentner einzahlen muss und diese fünf dann nur noch ein Fünftel der jetzigen Rente bekämen oder aber dem Beitragszahler kaum Geld zum Bezahlen einer Miete bliebe und wenn wir das trotzdem ernsthaft so wollten, dann wäre es schließlich auch ok.

Insofern lauschen wir einer munteren Phantomdiskussion. Eigentlich müssen wir nur eines wissen: wieviel werden die 18- bis 62-jährigen zukünftig einzahlen, um die 63- bis 100-jährigen mit wieviel Rente zu versorgen… Oder?

Ihr

Rainer Sander

 
<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Seite 1 von 100

 

Valid XHTML & CSS | Template Design ah-68 | Copyright © 2009 by NH24