Kolumne
DIE KOLUMNE: Vertreibung Drucken E-Mail
Samstag, den 30. August 2014 um 17:09 Uhr

Rainer SanderKassel. Landrat Schmidt darf sich freuen. Die Pläne für das Fracking im Landkreis Kassel gelten vorerst als gestorben. Das kanadische Unternehmen BNK Petroleum zieht sich zurück und „Adler South“ bleibt chemiefrei im Untergrund. Da darf man auch ohne neue gesetzliche Regelung aufatmen. Die aber könnte am Ende sogar eine neue Basis für die Schiefergas-Förderung schaffen, mit der Angst im Hintergrund, was denn passiert, wenn Russland das Gas abdreht.

Im Gegensatz zur Ölförder-Chemie lieber unter als über der Erde sehen, möchten die nordhessischen Landkreise Kassel, Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg hingegen die von „Tennet“ geplante Suedlink-Stromtrasse, mit einer 525-Kilovolt-Leitung an bis zu 75 Meter hohen Masten: das ist 5 Meter höher als der Herkules, 6 Meter höher als die Martinskirche - Nordhessens größtes Kirchenbauwerk - und 32 Meter höher als der Dom zu Fritzlar (43 Meter). Aber Tennet und Suedlink stehen unter dem besonderen Schutz von Angela Merkel und ihrem Schreckgespenst, dass die Energiewende ohne Trasse scheitert. Ein neuer Plan könnte das „Rebellengebiet Nordhessen“ trotzdem verschonen?

Im Landkreis Kassel geht es jetzt noch gegen Kali + Salz und deren Werra-Salzeinleitung. Wer Dünger und Streusalz will, muss auch salzige Flüsse in Kauf nehmen? Ok, die protestierenden Kommunen wären die ersten, die billigeres Salz aus dem Ausland kaufen würden, wenn K+S wegen höherer Produktionskosten seine Konkurrenzfähigkeit einbüßen würde. Richtig?

Am liebsten aus der Region vertreiben würden die Touristiker vom Edersee und sogar der Bundesverkehrsminister, auch die Firmen Richter aus Hessisch Lichtenau oder Weser-Metall Umformtechnik aus Hann. Münden. Sie nutzen als letzte die Oberweser als Schifffahrtsstraße für riesige Maschinenteile, weil Genehmigungen für einen Straßentransport nicht erteilt werden. Würde der Minister die Weser als Wasserstraße zurückstufen, weil sie zu teuer ist, müsste der Edersee kein Wasser mehr dafür hergeben, damit Schiffen eine Handbreit davon unter dem Kiel bleibt.

Und die Gewerkschaften würden am liebsten Amazon nach Polen oder Tschechien vertreiben, weil es um das Prinzip des „richtigen“ Tarifvertrages geht. Eine Menge Menschen würden in Calden gerne den Flughafen wieder abreißen, weil der – wie fast ausnahmslos alle deutschen Flughäfen, Bahnhöfe oder eben auch die Schifffahrtsstraße Weser – keinen direkten Gewinn abwirft.

In Schwalmstadt würden einige gerne die Investoren des Einkaufszentrums im Wieragrund mitsamt den Bauplänen vertreiben, In Frielendorf würden Freie Wähler gerne das WellnessParadies wieder abreißen, Auch Bad Karlshafen und Bad Soden Allendorf sind mit den Kosten für ihre „Thermen“ nicht so recht glücklich. In Bad Hersfeld ist man sich nicht ganz einig, ob man vielleicht das Wortreich, die Schilde-Halle oder die Festspiele nicht mehr haben möchte, weil sie zusammen so teuer werden.

Es ist also alles andere als leicht, stets zwischen den Interessen und Bedrohungen abzuwägen und nötigenfalls die richtigen zu vertreiben…

Ihr

Rainer Sander

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