Kolumne
DIE KOLUMNE: Rente mit 62? Drucken E-Mail
Donnerstag, den 16. Oktober 2014 um 12:03 Uhr

Rainer Sander ©Foto: nh24Kassel | Bad Hersfeld | Athen. Seit einer Woche beschäftigt die Menschen in der Region Kassel die documenta. Nicht wegen spektakulärer Kunstwerke, nein, das Konzept polarisiert bereits die kritischen und durchweg kunstsachverständigen Nordhessen. Der aktuelle künstlerische Leiter Adam Szymczyk möchte die d14 gerne – zumindest in Teilen – nach Athen verlegen. Die Eröffnung soll schon im Schatten der Akropolis stattfinden. Geboren 1955, steht die bedeutendste Ausstellung moderner Kunst 2017 nach 40 Jahren Arbeit an der Kunstfront, mit 62 Lebensjahren unmittelbar vor der Rente mit 63? Einmal noch und das war’s?

All diejenigen, die noch nie eine documenta in den Museen angesehen haben und seit über einem halben Jahrhundert wissen, dass diese Ausstellung von Verrückten für Verrückte gemacht wird und das alles sowieso nichts mit Kunst zu tun hat, weil man da keine Landschaften und Häuser sieht, denken jetzt über Rettungsaktionen für dieses „Happening“ nach. Allein das war den Gedanken wert! Was ist passiert? Eine Brücke zwischen antiker und moderner Kunst? Ok, mit dem Herkules hat Kassel einen guten Draht nach Griechenland und der „grüne Mann“ mit der Keule ist sowieso unbesiegbar. Warum also Angst haben? Die Tour de France beginnt auch nie in Frankreich…

Kassels Bürgermeister Bertram Hilgen geht mit seinem künstlerischen Leiter zumindest souveräner um, als Bad Hersfelds drei letzte Bürgermeister dies in schönster Regelmäßigkeit mit ihren Intendanten getan haben. Das macht möglicherweise den Unterschied zwischen einer Provinzstadt und einer weltoffenen Kunststadt aus? Das Stadtoberhaupt lässt den Gedankenspielen künstlerischer Freiheit freien Lauf und schließlich muss Adam Szymczyk auch rechnen, wie sich das rechnet. An der Kasse siegt am Ende immer die Wahrheit…

Aber Geld ausgeben, was sie nicht haben, können die Athener womöglich immer noch besser als wir Nordhessen? Gehässige Zeitgenossen werden jetzt sagen, das zahlen also sowieso wir. Kann sein! Andererseits: Will die Stadt, in der eine der ältesten Hochkulturen der Welt entstanden ist, im Schatten einer Nordhessischen Bezirkshauptstadt stehen? Wenn ja, hätte es Kassel endlich endgültig von der Wetterkarte in den Atlas der Kulturgeschichte geschafft!

Ihr

Rainer Sander

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