Kolumne
DIE KOLUMNE: Turbo-Abi Drucken E-Mail
Donnerstag, den 21. August 2014 um 17:37 Uhr

DIE KOLUMNE: Turbo-Abi ©Symbolfoto: dapdSchwalmstadt. Ganz Deutschland ist geteilt - zumindest, was die Geschwindigkeit des Abiturs betrifft. Da hat die Ost-West-Trennung Bestand. Alle ostdeutschen Bundesländer, sowie die Hauptstadt Berlin, bringen ihre Schüler in acht Jahren (G8) zum Abitur. Die meisten westdeutschen Kinder brauchen dafür neun Jahre (G9). Nur in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen sowie dem Saarland – wo sich Finanzminister oder Kämmerer (wie in Berlin) freuen, ein Schuljahr einzusparen, ist G8 - das Turbo-Abi - verbindlich. Die Flächenstaaten im Westen kehren zu G9 zurück, bieten beides an oder haben gar nicht erst an G9 gerüttelt.

Die Kultusministerien hätten gerne überall das schnelle Abitur eingeführt. Aber Elternproteste und die große Lobby des Bürgertums wussten das zu verhindern. Die Kinder seien mit zwölf Schuljahren bis zur Reifeprüfung überfordert, die Jugendzeit ginge verloren und es gäbe keine Zeit mehr für die Freizeit. Da könnte Wahres dran sein, aber der Mehrheit deutscher Schulabgänger, nämlich Haupt- oder Realschülern, die nach neun, spätestens zehn Jahren ins Berufsleben eintreten, dürfte diese Argumentation „schnurz“ sein, wenn sie „Jugend sowie Freizeit an den Nagel hängen müssen“.

So haben wir jetzt den G8-Osten, den armen G8-Westen und den wohlhabenden G9- oder Wir-machen-einfach-beides-Westen. Gleichzeitig sprechen wir über ein einheitliches Abitur, gleiche Bildungssysteme in ganz Deutschland, Pisa-, IGLU- oder TIMMS-Studie…

Vergangene Woche hat nun ausgerechnet der Spiegel, das „Organ des protestfreudigen Bildungsbürgertums“, als erstes eine sehr spannende Studie veröffentlicht. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) ging in seinem aktuellen - aber noch unveröffentlichten Bildungsmonitor 2014 - der Frage nach, ob es messbare Unterschiede bei Leistungen oder der Selbstwahrnehmung von G8- und G9-Schülern gibt. Und das Ergebnis? Es gibt keinen Unterschied! Und dabei hat der Bildungsmonitor 22 bereits vorliegende Studien zusammengefasst. In 16 davon gibt es Null Unterschiede zwischen G8- und G9-Gymnasiasten, zwei erkennen leichte Verschlechterungen der G8er, drei sogar leichte Verbesserungen. Und das Verrückte: Ganz offensichtlich sind G8-Schüler in ihrer Freizeit aktiver als G9-Schüler.

Boah Ey! Dafür haben wir jetzt einen Flickenteppich, der exakt so unterschiedlich ist, wie die persönlichen Wahrnehmungen, der bürgerliche Verdruss und die politische Durchsetzbarkeit. Egal, was nun stimmt, es reicht in vielen Bundesländern bereits aus, in den Nachbarkreis zu ziehen und schon ändern sich Schulzeit und System. Stress haben Schüler offensichtlich immer, aber wohl am wenigsten wegen der Dauer ihrer Schulzeit. Ich glaube, bei mir war es ähnlich…

Ihr

Rainer Sander

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