Kolumne
DIE KOLUMNE: Endlich! Drucken E-Mail
Montag, den 08. Februar 2016 um 12:41 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Endlich hat jemand das erste kritische Tabu der mutmaßlichen Flüchtlingskrise gebrochen und es wird nicht das letzte sein. Wer die Fassbomben in Syrien überlebt hat, im Mittelmeer nicht ertrunken ist und den Weg über die Berge durch Ungarn und Österreich geschafft hat, wird letztendlich mit Frauen und Kindern im Geschosshagel an der deutschen Grenze niedergestreckt. Ein Warnschuss genügt, ab dann wird scharf geschossen.

Das Schöne an den Bekenntnissen zur Wiedereinführung des Schießbefehls an deutschen Grenzen ist, dass endlich jemand die einzige Möglichkeit ausgesprochen hat, um eine Obergrenze auch wirksam durchzusetzen. Wenn Horst Seehofer von einer solchen spricht, dann müsste er eigentlich genau diese Konsequenz einkalkulieren. Oder ist’s nur populistisches Gerede?

Wie bei der AfD? Die will den Euro und am liebsten die ganze EU abschaffen, andererseits aber die perfekte Sicherung der EU-Außengrenzen. Beides gleichzeitig wird schwer werden. Unabhängig davon, ob es nun richtig ist, dass so viele Flüchtlinge kommen oder nicht und ob wir die Kontingente begrenzen sollten, ist es in Deutschland (wieder) möglich ganz offen über Ausländer zu schimpfen, Rassen zu diskriminieren, Häuser anzuzünden und Handgranaten auf Asylbewerber zu werfen.

Solche Äußerungen zum „Schießbefehl“ sichern aktuell 10 bis 20 Prozent Wählerstimmen, denn der „Marktwert“ der AfD ist tatsächlich gestiegen. Sie verhindern schlauer Weise aber gleichzeitig jegliche regierungsfähige Mehrheit und Koalitionsfähigkeit! Bloß nie die Verantwortung für das eigene Programm und ein ganzes Land übernehmen müssen? Angesichts der Aussicht, man müsse die eigenen Forderungen irgendwann umsetzen, könnte einem schon „der Stift gehen“ – oder?

Im Grunde zementieren radikale Äußerungen lediglich die bestehende „Große Koalition“ in Berlin. Merkel und Gabriel werden sich über verbale Entgleisungen von Links- und Rechtsaußen freuen. Wenn aber jetzt die Linke – die nun auch von Grenzen der Aufnahme spricht – bei der Bundestagswahl ebenfalls 20 Prozent bekäme, würde ich mich auf die Große Koalition der Maulhelden freuen. Bitte - wie in Griechenland - rechts und links zusammen – versprochen?

Warum mich das freuen würde? Außer ein paar Schaufenster-Maßnahmen für die „Galerie“ ändert sich selbst dann an der eigentlichen Politik rein gar nichts. Wetten, dass…? Die Steuern gehen nicht runter, wir bleiben im Euro und in der EU, schicken unter jeder Regierung Soldaten in Krisengebiete und Flüchtlinge kommen trotzdem. Darauf würde ich eine Menge wetten! Wenn ich wetten würde ;-)

Verlierer ist auch dann der berühmte kleine Mann, also jeder, der sich so fühlt und sich wieder einmal Hoffnung auf ein besseres Leben macht, irgendwelchen Marktschreiern hinterherläuft und am Ende merkt, dass die Bananen nicht besser sind, nur weil der Verkäufer lauter gebrüllt hat…

Ihr

Rainer Sander

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