Kolumne
DIE KOLUMNE: Europa Drucken E-Mail
Freitag, den 30. Januar 2015 um 22:43 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Es ist schon ein bisschen her, seit Gottvater Zeus Europa auf seinem Rücken getragen hat. Als Stier verkleidet hat er sie erobert, ok, auch geschwängert und am Ende entführt, damit Gattin Hera nichts davon bemerkt. Die Beziehung zwischen Griechenland und Europa war also schon immer von ein paar Heimlichkeiten gezeichnet.

Am vorletzten Wochenende haben die Griechen auch ohne Zeus entschieden, dass sie mit dem „Tragen Europas“ nicht mehr so viel am Hut haben. Die Aufnahme in die EU erfolgte mit Phantasiezahlen, dann kam der Wohlstand durch die EU, weil es so leicht war, inmitten der europäischen Einheit mehr Schulden zu produzieren, als Einnahmen zu erzielen. Aber niemand hat die Töchter und Söhne des Zeus dazu gezwungen, es so zu machen, wie sie es gemacht haben. Heute tragen alle anderen Schuld daran und Griechenland will jetzt seinen Gläubigern klar machen, dass alte Vereinbarungen zur Schuldentilgung nicht mehr gelten. Soviel zu Schuld und Schulden, die Troika ist erst einmal passé.

Die EZB hat längst entschieden, schon mal vorab ein Signal zu setzen. Sie druckt eine Billion neue Euro, etwa so viel, wie gerade an Euro-Scheinen im Umlauf sind und kauft den Banken damit Staatsanleihen ab, damit diese wieder „flüssig“ für Kredite sind. Hurra, auch in Griechenland! Hurra, die nächste Blase kommt bestimmt? Ok, noch ist nicht raus, ob die Banken wirklich mehr Kredite vergeben und die Börse in Athen hat erst einmal anders reagiert…

So, wie wir in den Augen vieler Griechen die Schuld am Zusammenbruch der Helenen tragen, so machen wir es aber auch gerne. Hand aufs Herz, wie viele Regierungen hätten – oder haben – wir gewählt, die uns versprochen haben zu sparen, also Leistungen und Subventionen zu streichen und kulturelle Errungenschaften zu überdenken? Keine einzige und die Reform, die hier die Wende gebracht hat, hat Gerhard Schröder vorher nicht angekündigt.

Also, wir wählen schließlich auch keine Politiker, die Einschränkungen und weniger Leistungen versprechen. Wir wählen diejenigen, die allen Wohlstand versprechen, niedrige Steuern, hohe Sozialleistungen für jeden. Damit bekommt jedes Land die Politiker, die es verdient hat… Wir genauso, wie Griechenland. Und auch die Griechen werden merken, dass nicht jedes Wahlversprechen eingelöst wird. Wetten, dass…?“

Ihr

Rainer Sander

 
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