Kolumne
DIE KOLUMNE: Internet Drucken E-Mail
Mittwoch, den 16. April 2014 um 19:38 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Ich muss zugeben, manchmal, wenn ich Stunden damit zugebracht habe, Facebook aufzuräumen und alle Benachrichtigungen zu lesen; wenn eine Ewigkeit verstrichen ist, in WKW noch mal nach dem Rechten zu sehen; wenn ich wichtige Nachrichten um Minuten verpasst habe, in denen sie über Twitter – was ich immer noch nicht nutze – früher gelaufen sind, als bei nh24 oder Focus online; wenn mir Freunde erklären, wie leicht das Leben mit Whatsapp ist, derweil ich immer noch steinzeitlich simse, deren Handy aber niemals schweigt, während meines ab und zu sogar für Stunden Ruhe gibt, dann – aber nur dann – wünsche ich mir, das alles gäbe es nicht, ich würde wieder Briefe schreiben…

O.k., wenn die Präsenz schlechter Nachrichten dominiert und außerdem die Kriege anonymer Kommentatoren unter den News toben; wenn die Schnäppchenjagd im Internet wieder Stunde um Stunde kostbarer Zeit verschlingt; wenn Nachrichten mit minimalem Wahrheitsgehalt überhandnehmen, weil im weltweiten Netz jeder ungeprüft alles verbreiten kann, dann – aber nur dann – wünsche ich mir, das ganze Internet gäbe es nicht und ich würde jeden Morgen ausschließlich auf die Tageszeitung warten…

Dann aber wenigstens auf zwei Tageszeitungen… :-) Doch dann gäbe es auch die Smileys nicht, die PP-Präsentationen, Grußkarten, Informationen über Firmen und all die nützlichen Recherchen bei Wikipedia oder Duden-Online :-(

Wer angesichts medialer Überforderung Angst vor sich selbst bekommt, ist momentan in der Türkei am besten aufgehoben. Dort hat der Kampf gegen ausufernde Nachrichtenverbreitung und den unkontrollierten Zugang zum gesammelten Wissen dieser Welt begonnen. YouTube, Twitter, Facebook, all das schadet dem Staat, verhindert Herrschaftswissen, lässt keine „Sünde“ unentdeckt und schadet am Ende den Bürgern, wenn der Staat zerfällt... Wenigstens dann, es ein Staat ist, in dem die Regierenden besser wissen, was für die Menschen gut und richtig ist!

Die Türkei fleht zurzeit gerade darum, nicht in die EU aufgenommen zu werden, denn sie bekämpft gerade alles, was in der westlichen Welt als Symbol der Freiheit und der Selbstbestimmung gilt. Damit verliert man selbst in den konservativen Lagern Freunde. Inzwischen folgt Erdogan Putin – der eigentlich auch gerne in der EU wäre – in der Verfolgung von Schwulen und Lesben. Damit schafft er sich allerdings wieder Freunde unter den Konservativen, denn der Ruf nach Freiheit und Selbstbestimmung gehört schließlich dort auf, wo man sie ständig auch noch sehen muss…

Aber der Kampf gegen die neue mediale Welt ist einer gegen Windmühlen. Warten wir auf den Tag, an dem Google aus Satelliten sendet, das Universum beherrscht und als außerirdische Kraft gar nicht mehr abgeschaltet werden kann. Dann aber ist der Tag nicht mehr fern, an dem die Menge an Daten im Internet, mit der sich Menschen beherrschen ließen, so groß ist, dass sie selbst unbeherrschbar wird. Es gibt stets zwei Seiten, immer braucht das Licht auch die Dunkelheit, um als Licht überhaupt aufzufallen und immer kommt alles irgendwie dann doch anders, als geplant, erhofft oder vermutet…

Ihr

Rainer Sander

nh24 bei facebook: https://www.facebook.com/nh24de

 
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