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Schwalmstadt. Was wäre, wenn alle Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner im September die „Alternative für Deutschland“ wählen würden? Wenn das auch die passiven Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren tun, dann würde sie – angesichts heutiger Wahlbeteiligungen – sicher locker in den Bundestag einziehen. So viele ehrenamtliche Feuerwehrleute gibt es nämlich in Deutschland.
So viele, wie in keinem anderen europäischen Land. Freiwillige Feuerwehren sind im deutschsprachigen Raum bekannt. In allen anderen Ländern sind der Kampf gegen Feuer, die Hilfe bei Unfällen und die Unterstützung bei Katastrophen berufsmäßig organisiert und entweder bei der Polizei, der Armee oder eigenständig organisiert. Ehrenamt nach Feierabend? In Europa Fehlanzeige…
Gerne lästern wir gelegentlich über die vielen dörflichen Feuerwehrvereine mit ihren kleinen Gerätehäusern und teuren Feuerwehrfahrzeugen. Die dezentrale Ausrüstung mag Geld kosten, aber was würde es an Personalkosten verursachen, müsste jede Kommune, jede Kleinstadt eine Berufsfeuerwehr in Einsatzstärke 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr bereithalten? Im Dreischichtbetrieb das ganze Jahr über, sind das mindestens 50 Vollzeitstellen und die würden locker 2 Millionen Euro kosten - jedes Jahr - plus Material! Da würde so manche Bücherei schließen, manch Schwimmbad trocken bleiben und manch Dorfgemeinschaftshaus ohne Heizung überwintern müssen.
Vielleicht bliebe auch einfach manch Schlagloch ungeflickt und vielleicht gäbe es auch eine kommunale Feuerwehrsteuer? So könnte es kommen, werden die Pläne der EU nächstes Jahr Wirklichkeit. Die droht nämlich mit einer Arbeitszeitordnung, um europaweit die tägliche Arbeitszeit festzulegen.
O.k., was hat das mit Feuerwehr zu tun? Nach dem Entwurf dieser Verordnung, wird auch ehrenamtliche Tätigkeit als Arbeitszeit gewertet. Und wenn die Feuerwehrleute nach einem Acht-Stunden-Tag nicht mehr ausdrücken dürfen, weil sie sich dann nach EU-Recht strafbar machen würden, brennt Deutschland im wahrsten Sinne lichterloh. Das, womit alle anderen EU-Länder (außer Österreich) kein Problem haben, käme uns teuer zu stehen. Was heißt eigentlich Ehrenamt? Bleiben dann auch die Suppenküchen zu, weil ehrenamtliche Mitarbeiter kein Essen mehr ausgeben dürfen? Bricht der deutsche Sport zusammen, weil ehrenamtliche Trainertätigkeit nur noch für Teilzeitkräfte erlaubt ist? Feierabend ist Feierabend und Nebenjobs sind dann passee!
In Ländern, in denen viel Erwerbstätigkeit sowieso am Fiskus vorbei läuft, wird das niemanden Jucken. Im gesetzestreuen Deutschland stellt es hingegen die Welt auf den Kopf! Es ist Feierabend!
Ihr
Rainer Sander
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