MELSUNGEN. Reynir Thor Stefansson steht seit Sommer im Kader der MT Melsungen. Nach einer monatelangen gesundheitsbedingten Pause hat der 20-jährige Rückraumspieler am Dienstag sein erstes Pflichtspiel der Saison bestritten. Sein Debüt in der European League markiert die Rückkehr auf das Spielfeld, nachdem eine Herzbeutelentzündung und eine notwendige Operation ihn zuvor außer Gefecht gesetzt hatten.

Wenn die MT Melsungen am Samstag bei Frisch Auf! Göppingen antritt, könnte Reynir Thor Stefansson im Aufgebot stehen. Der 20-jährige Rückraumspieler trug am Dienstag erstmals in dieser Saison das MT-Trikot und kam in der European League zum Einsatz. Dabei erzielte er fünf Tore. Ob er am 14. Spieltag der DAIKIN Handball-Bundesliga erneut spielen wird, hängt laut Cheftrainer Roberto Garcia Parrondo von der Personalsituation im Kader ab. Die Partie in Göppingen beginnt um 19 Uhr und wird beim Streamingdienst Dyn übertragen.

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Vor dem Spiel gegen Karlskrona kündigte Parrondo die Rückkehr des isländischen Talents an. Der Trainer erklärte, Stefansson habe eine lange Belastungsphase hinter sich und solle nun wieder unbeschwert auftreten. Der Spieler selbst berichtete nach seinem Einsatz, dass es sich gut angefühlt habe und er sich darüber freue, wieder auf dem Feld zu stehen. Innerhalb der Mannschaft hat sich die eingedeutschte Version seines Vornamens – „Reiner“ – bereits etabliert.

Stefanssons verspäteter Saisonstart war die Folge einer Herzbeutelentzündung (Perikarditis), die bereits bei seinem Wechsel von Fram Reykjavik zur MT bekannt war. Aufgrund der Erkrankung durfte er mehrere Monate keinen Sport treiben. Für MT-Vorstandssprecher Andreas Mohr hatte die gesundheitliche Stabilität des jungen Spielers in dieser Zeit oberste Priorität.

Der Rückraumspieler verweist rückblickend auf die medizinische Betreuung, die er unter anderem von MT-Kardiologe Karl-Friedrich Appel erhielt. Er beschreibt die ersten Monate in Melsungen als belastend, auch weil seine Familie nicht vor Ort ist. Dennoch habe er den ärztlichen Prognosen vertraut und auf seine Rückkehr gehofft.

Die Verzögerung bis zur endgültigen sportlichen Freigabe ergab sich zudem aus einem weiteren medizinischen Eingriff. Vor der abschließenden MRT-Untersuchung mussten Metallstäbe aus seiner Brust entfernt werden, die ihm Jahre zuvor bei der Behandlung einer Trichterbrust eingesetzt worden waren. Die Operation erfolgte im September. Erst danach konnte bestätigt werden, dass die Herzbeutelentzündung ausgeheilt war.

Nach der Freigabe begann Stefansson unter ärztlicher Aufsicht mit einem behutsamen Aufbauprogramm. Dr. Florian Sölter, Leiter Medizin und Athletik bei der MT, betonte, dass nach einer solchen Erkrankung ein zu schneller Wiedereinstieg vermieden werden müsse. Ab diesem Zeitpunkt begleitete MT-Physiotherapeut Niklas Kern den Spieler intensiv. Ursprünglich ging der medizinische Stab davon aus, dass Stefansson erst Mitte Dezember zurückkehren könne. Die jüngere Entwicklung zeigte jedoch, dass der Trainingsaufbau schneller Wirkung zeigte.

Seit rund zwei bis drei Wochen trainiert Stefansson wieder vollständig mit der Mannschaft. Er sieht weiteren Entwicklungsbedarf, sowohl physisch als auch taktisch, betont jedoch, dass er froh sei, wieder voll am Training teilnehmen zu können. Mit seinem Einsatz am Dienstag ist er zu seiner sportlichen Routine zurückgekehrt. (wal)

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