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Wo ein Ende, da auch ein Anfang… Drucken E-Mail
Samstag, den 07. Oktober 2017 um 09:32 Uhr

Manfred Steuernagel und Michaela Schwohl ©Foto: Anja Kierblewski | nh Manfred Steuernagel übergibt das Staffelholz der Sozialstation
ALSFELD.
Die Übergabe eines Staffelholzes ist immer ein schwieriger Moment – sowohl für den der abgibt, als auch für den, der übernimmt. Manfred Steuernagel und Michaela Schwohl von der Sozialstation Alsfeld/Romrod haben ihre Übergabe ganz einfach gelöst:

Sie gehen ein Stück gemeinsam. Denn Manfred Steuernagel – der nach über zwanzig Jahren die Leitung der Sozialstation abgibt – kommt noch einmal die Woche an seinen alten Arbeitsplatz und steht der neuen Leiterin Michaela Schwohl mit Rat und Tat zur Seite. 

Die Fußstampfen sind groß, die Manfred Steuernagel hinterlässt. Er hat einige Meilensteine genommen – immer mit zuverlässiger Unterstützung seines einst neun- heute 93-köpfigen Teams, auf das sich jetzt auch Michaela Schwohl verlassen kann. 

Steuernagel hat den Beruf von der Pike auf gelernt. Er hat Ende der 70er Jahre seine Ausbildung als Krankenpfleger im Elisabethstift Darmstadt absolviert. Danach folgte, wie damals noch üblich, der Zivildienst, den er teilweise beim Roten Kreuz in der ambulanten Pflege ablegte – wohl schon ein ungeahnter Hinweis auf seine berufliche Zukunft. Während des Zivildienstes arbeitete er nebenbei noch auf der neugegründeten Intensivstation des Alsfelder Krankenhauses, das sich damals noch in der Rambach befand. Nach sechs Monaten wechselte er komplett auf die Intensivstation und leistet dort die restlichen Monate als „Zivi“ ab. 

Nach seinem Wehrersatzdienst wechselte er in den Nachtwachenbereich einer internistischen Station. Mit dem Umzug ins neue Krankenhaus am Stadtrand in die Schwabenröder Straße folgte für ihn eine neue Herausforderung auf der Unfallchirurgie. 

Dr. Johannes Pfann, ein ehemaliger und renommierter Anästhesist der Alsfelder Klinik, war es, der Manfred Steuernagel als kompetente Kraft für einige Jahre wieder zurück auf die Intensivstation holen konnte. Mit der Bestellung zum Stationspfleger wechselte er Ende der Achziger Jahre auf die damalige Station 1, die einst Patienten der Abteilungen Gefäßchirurgie, HNO und Augen versorgte. 

Durch sein Engagement und seine umfassende Erfahrung in unterschiedlichen Pflegebereichen, übernahm er die stellvertretende Pflegedienstleitung des Krankenhauses unter Manfred Schrewe. In dieser Zeit hatte er die Gelegenheit eine zweijährige Weiterbildung zur Leitung des Pflegedienstes eines Krankenhauses zu absolvieren. Mit der Anbindung der Sozialstation zum 1. Januar 1996 als Eigenbetrieb an das Krankenhaus war es dann soweit: Manfred Steuernagel übernahm die Leitung der Sozialstation Alsfeld / Romrod. 

Die Sozialstation gab es schon lange, sie war allerdings in kommunaler Verwaltung der Stadt Alsfeld. 1996 wurde beschlossen, sie ans Alsfelder Kreiskrankenhaus anzuschließen. Mit seiner Vorerfahrung und seiner Weiterqualifikation war Manfred Steuernagel prädestiniert für diese Aufgabe.

„Wir haben damals mit neun Leuten im Team angefangen“, erinnert sich Steuernagel gerne zurück. „Es war alles im Aufbau, wir haben viel improvisieren müssen, waren gefordert, aber wir waren ein kleiner, familiärer Haufen, wir kannten uns alle untereinander und jeder kannte auch alle Patienten“, beschreibt der scheidende Leiter die spannende Zeit des Neubeginns, bei dem übrigens auch Michaela Schwohl zu Beginn mit von der Partie war, und genau weiß, wovon ihr Vorgänger spricht. 

„Ja, damals konnte Manfred auch selber noch hinaus zu den Patienten fahren“, erinnert sie sich. „Heute ist das nur noch sehr selten möglich – die administrativen Aufgaben haben so zu genommen, wir haben immer mehr Patienten zu betreuen und inzwischen auch 93 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Ohne die engagierten und motivierten Mitarbeiter wäre diese Entwicklung der Sozialstation nicht möglich gewesen. Dafür wolle er sich nochmals bei allen Kolleginnen und Kollegen recht herzlich bedanken. 

Außerdem wurde die Kurzzeitpflegestation im Kreiskrankenhaus eingerichtet, da der Bedarf immer Größer wurde und es keine ausreichende Kapazität gab. Für diese Abteilung übernahm er die Position der Heimleitung, und für die Physikalische Abteilung war er in den letzten Jahren seiner Tätigkeit als Prokurist tätig.

Stolz ist er darauf, bei der konzeptionellen Entwicklung und Aufbau der „Vulkan-Villa“ - einer selbstbestimmten Wohngemeinschaft für Senioren mit niedrigen Pflegestufen – gemeinsam mit dem Alsfelder Ehepaar Helm mitgewirkt zu haben. Ein Beispiel, welches inzwischen im Vogelsbergkreis einige Nachahmer gefunden hat. 

„Der demographische Wandel hat uns in den letzten Jahren zunehmend vor neue Herausforderungen gestellt“, gibt der erfahrene Pflegedienstleiter zu. „Es herrscht Pflegenotstand, das ist ja inzwischen bekannt. Es gibt immer mehr Pflegebedürftige, aber immer weniger, die den Beruf in der Pflege wählen.“ Dies bereitet ihm, aber auch Michaela Schwohl Kopfzerbrechen. 

Um dem Entgegenzuwirken, werden die Mitarbeiter motiviert und immer wieder die Möglichkeit geschaffen, sich weiterzubilden: neben der Ausbildung zur Altenpflege sind es die Palliativpflege, das Qualitätsmanagement, die Weiterbildung zur Pflegedienstleitung, das Wundmanagement, die Pflegeberatung, sowie die Praxisanleitung die die Sozialstation Alsfeld / Romrod ihren Mitarbeitern ermöglicht. 

So wird es auch Michaela Schwohl künftig halten. Auch sie ist eigentlich ein Alsfelder „Eigengewächs“. Die heute 49-Jährige kommt aus Leusel, hat 1985 bis 1988 in der Gießener Uniklinik ihre Ausbildung als Krankenschwester absolviert, arbeitete dann fünf Jahre im Haus Stephanus, bevor sie 1993 ins Kreiskrankenhaus Alsfeld wechselte. Dort war sie zunächst in der Abteilung für Innere Medizin und Geriatrie tätig. 

Ein Jahr nachdem Manfred Steuernagel die Leitung der Sozialstation übernommen hatte, wechselte auch Michaela Schwohl dorthin. Sie absolvierte gleichzeitig eine Weiterbildung als Qualitätsbeauftragte und baute das Qualitätsmanagement der Sozialstation auf. Erfolgreich. Denn seitdem das Qualitätsmanagement seit 2000 für solche Einrichtungen Pflicht ist und regelmäßig unangekündigt vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) überprüft wird, schneidet die Sozialstation Alsfeld / Romrod immer mit sehr guten Ergebnis, sprich der Note 1,0, ab.

Das Qualitätsmanagement gut im Griff, suchte auch Michaela Schwohl nach neuen Aufgaben und fand sie in der Weiterbildung zur Pflegedienstleitung. Nebenberuflich bildete sie sich in Wiesbaden weiter und übernahm 2010 die Leitung der Kurzzeitpflege (Station 1) im Alsfelder Kreiskrankenhaus. 

„Dies war damals schon ein großer Schritt für mich, denn durch das Qualitätsmanagement war ich aus der aktiven Pflege schon einige Zeit draußen“, erinnert sich die sportliche Frau. „Auch jetzt wird es wieder eine große Umstellung für mich werden, aber ich freue mich darauf, auch wenn ich weiß, dass ich noch viel lernen muss…“ 

Dennoch hat sie sich zu dem Schritt, die Leitung der Sozialstation Alsfeld / Romrod zu übernehmen, entschieden: „Mit fast 50 Jahren war es an der Zeit noch einmal einen weiteren Schritt zu gehen“, erinnert sie sich an ihre Überlegungen vor der Bewerbung. „Ich kenne das Haus, ich kenne die Kollegen und ich habe früher schon gerne mit ihnen zusammengearbeitet. Das hat mich zusätzlich motiviert!“

Und sie weiß Manfred Steuernagel ist bei Bedarf noch einige Zeit an ihrer Seite. Dennoch, es wird nicht einfach werden, dessen ist sie die zweifache Mutter bewusst: „Der Pflegenotstand ist auch hier angekommen. Es ist schwierig examinierte Kräfte und Personal zu bekommen. Es gibt immer weniger, die diese Ausbildung machen möchten“, ist die leidige Erfahrung der engagierten Frau. Deshalb wird ihr Augenmerk auch auf einem liegen: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen sich hier wohl fühlen, das war immer so und das soll auch immer so bleiben. Wir sind ein Team!“ (kiri)

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