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Der Haus- und Hofwirt Drucken E-Mail
Mittwoch, den 17. Mai 2017 um 10:45 Uhr

©Foto: Hephata | nhTREYSA | TODENHAUSEN. „Wir wollen junge und gute Leute. Die bekommt man heute immer seltener. Deswegen wollen wir Tim nicht ziehen lassen.“ Ralf Haaß sagt das, Tim Wunder strahlt.

Wer hört nicht gerne so ein Kompliment von seinem Chef? Und umgekehrt, welcher Chef hört nicht gerne das, was Tim Wunder (23) entgegnet: „Ich freue mich auf die Arbeit. Unter der Woche ist er mein Chef, wenn wir am Wochenende zusammen was basteln, ist er fast wie ein Kumpel.“

Tim Wunder arbeitet als Bauhelfer beim Bauunternehmen Ralf Haaß in Frielendorf-Todenhausen auf einem Betriebsintegrierten Beschäftigungsplatz (BiB). Er war und ist immer noch Beschäftigter der Hephata-Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WfbM). Die WfbM zahlt die gesetzlichen Sozialabgaben für ihn und übernimmt die psycho-soziale Begleitung am Arbeitsplatz. Den Arbeitslohn zahlt die Firma Haaß. Tim Wunder arbeitet seit September 2013 in der Firma. Er kam eigentlich nur für vier Wochen während seiner WfbM-Ausbildung. „Wir haben uns überlegt, wir geben Ihm eine Chance, als Hephata nach einem Praktikumsplatz fragte“, erinnert sich Firmeninhaber Ralf Haaß. „Nach vier Wochen hat Tim dann gesagt: Ich möchte hier bleiben. Ich habe gesagt: Ok, wir machen einen Deal: Du lernst einen Zollstock abzulesen, dann sehen wir weiter. Dann kam der Tag X, er stand vor mir und hat gesagt: Du kannst mich testen. Dann stand ich in der Pflicht und habe ihm einen BiB angeboten.“

©Foto: Hephata | nhDas war im Dezember 2014, nun steht eine Veränderung an: „Wir wollen Tim ganz übernehmen“, sagt Haaß. Für eine Übergangsfrist übernehmen dann die Agentur für Arbeit und das Integrationsamt Lohnzuschüsse, danach ist Tim auch vertragsrechtlich einer von 30 Mitarbeitern der Firma.

„Ich hatte, bevor ich Tim kannte, schon Vorbehalte. Aber dann habe ich gemerkt, mit ihm kann man umgehen wie mit den anderen. Er ist ein vollwertiges Mitglied“, sagt Geschäftsführer Tobias Lindenthal. Lindenthal ist unter anderem für die Baustelleneinteilungen zuständig und arbeitet eng mit Tim Wunder zusammen. Am Anfang galt es herauszufinden, was der 23-Jährige gerne und gut machen könnte. Er arbeitete mal mit den Schreinern, dann mit den Maurern und den Tiefbauern zusammen. Schließlich fand er seine Arbeit als Lagerchef. „Das hatten wir vorher gar nicht als eigene Aufgabe definiert. Niemand hat sich dafür verantwortlich gefühlt, das Lager aufzuräumen und in Ordnung zu halten, zu kontrollieren, dass die Maschinen immer gefettet, gewaschen und betankt werden oder auch die Waren nachbestellt, angenommen und geordnet werden“, sagt Lindenthal. „Tim ist jetzt unser Haus- und Hofwirt, zuverlässig, kollegial und ordentlich. Er hat den Laden im Griff.“ Tim Wunder selbst sagt: „Ich bin mein eigener Chef im Lager. Es ist viel schöner als in der WfbM, weil ich selbstständiger und draußen arbeiten kann.“

©Foto: Hephata | nhMomentan übt der 23-Jährige jeden Tag nach Feierabend anderthalb Stunden für den L-Führerschein. Ein Kollege, ehemaliger Fahrlehrer, unterrichtet ihn ehrenamtlich. „Es ist ein großer Wunsch, die Maschinen fahren zu können“, sagt Wunder. Ein anderer Wunsch ist schon in Erfüllung gegangen: Tim Wunder ist in eine eigene Wohnung gezogen. Einmal in der Woche geht er mit den Kollegen in die Sauna, am Wochenende auch mal mit zum Fußballspiel nach Frankfurt. An den Wochenenden basteln er und Ralf Haaß regelmäßig gemeinsam in der Werkstatt. Aktuelles Projekt ist ein Hühnerstall mit Auslauf. 

„Uns ist bewusst, dass wir auch nach der Übernahme weiter an Tims Fähigkeiten arbeiten werden müssen. Man braucht Geduld mit ihm. Das ist aber nicht schlimm. Er hat handwerkliches Talent, Fingerfertigkeit und Motivation“, sagt Ralf Haaß und fügt hinzu: „Wir bilden seit elf Jahren selbst aus. Tim kann mehr als manch frisch ausgebildeter Maurer- und Betonbauer.“ (me)

Hintergrund: Innerhalb der Hephata Diakonie gibt es BiBs über die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WfbM) in der Behindertenhilfe und in der Sozialen Rehabilitation. Einem BiB geht ein Praktikum voraus, in der Regel zwischen drei Wochen und drei Monaten, bei dem sich Betrieb und Beschäftigter kennenlernen. Ein BiB dauert dann mindestens ein Jahr. Innerhalb des BiBs qualifizieren sich die Beschäftigten weiter, um später eventuell eine Festanstellung zu erhalten oder auch längerfristig im Betrieb, im Rahmen eines BIB qualifiziert zu werden. Die Betreuung am Arbeitsplatz übernehmen die Fachkräfte für berufliche Integration und Jobcoaches der WfbM. Im Schwalm-Eder-Kreis kooperieren aktuell 15 Betriebe mit der Behindertenhilfe. Dort arbeiten Menschen mit Behinderungen unter anderem in den Bereichen Landwirtschaft, Produktion, Einzelhandel, Hauswirtschaft, Bau, Lagerhaltung und Alltagsbegleitung. Details zum Ausbau der BiBs regelte das „Hessische Übergangspapier“ zwischen Landeswohlfahrtsverband Hessen, der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen sowie Verbänden privater Träger. Für die Hephata-Behindertenhilfe sieht es pro Jahr 40 Praktika und zwei Vermittlungen in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse sowie insgesamt 38 BiBs vor.

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