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Osthessen: Geplanter Suizid mit Propofol Drucken E-Mail
Donnerstag, den 04. Januar 2018 um 14:39 Uhr

©Symbolfoto: nh24 Tödliches Familiendrama in Osthessen
KÜNZELL.
Ein Familiendrama im osthessischen Künzell forderte zum Jahreswechsel zwei Tote. Polizisten fanden einen 51 Jahre alten Mann und dessen Sohn (16) tot und die Ehefrau (47) schwer verletzt auf.

Der Arbeitgeber des Mannes hatte am Dienstagmorgen die Polizei alarmiert, nachdem er einen Abschiedsbrief des 51-Jährigen erhalten hatte, in dem er ankündigte, zum Jahresende gemeinsam mit seiner Familie aus dem Leben zu scheiden. Alarmierte Polizisten entdeckten dann die Toten und die 47-Jährige.

Nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft war die gemeinsame Tötung präzise geplant. »Es ist zu vermuten, dass die Ehefrau, die als Anästhesiekrankenschwester gearbeitet hat und hierdurch Zugang zu dem Anästhetikum Propofol hatte, dieses in größerer Menge bei ihrem Arbeitgeber entwendet hat, um es in der Folge zur Selbsttötung einzusetzen«, so Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Die Strafverfolgungsbehörden gegen derzeit davon aus, dass zur Ausführung des gemeinsamen Planes die Ehefrau sowohl ihrem Ehemann als auch dem 16-jährigen Sohn einen Venenzugang gelegt, das Propofol hierüber mittels einer Infusion in tödlicher Dosis zugeführt und anschließend versucht hat, sich selbst einen Venenzugang zu legen, was jedoch an der Beschaffenheit ihrer Venen scheiterte.

Ehemann und Sohn wurden am Dienstagmorgen in dem Ehebett der Familie liegend tot aufgefunden. Die Ehefrau überlebte verletzt. Ob der wohl an einer autistischen Störung leidende Sohn der Familie in die geplante »Selbsttötung« eingeweiht war oder ob er gegebenenfalls zuvor anderweitig betäubt wurde, müssen die weiteren toxikologischen Untersuchungen ergeben.

Die 47-Jährige hat sich bisher zum konkreten Tatablauf nicht eingelassen, ebenso wenig zum Motiv. Die Eheleute haben jedoch einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem die »Selbsttötung« mit Propofol angekündigt wurde. Es ist nicht auszuschließen, dass das Motiv in der Belastung durch die Erkrankung des Sohnes lag.

Die Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch gegen die überlebende Ehefrau Haftbefehl wegen Totschlags des Sohnes beantragt, der am selben Tag durch den Haftrichter des Amtsgerichts Fulda erlassen und verkündet wurde. Die Beschuldigte wird wegen akuter Suizidgefahr derzeit in einem Krankenhaus rund um die Uhr bewacht und soll demnächst in ein Justizvollzugskrankenhaus überführt werden. (wal) (Aktualisiert: 4.1.18, 14:50 Uhr)

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