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Als es die Lohntüte noch gab Drucken E-Mail
Freitag, den 17. November 2017 um 09:24 Uhr

Das VW-Werk heute ©Archivfoto: Rainer Sander | nh2460 Jahre VW Baunatal - Vortrag zum Vertragsjubiläum
BAUNATAL.
Noch nicht ganz 60 Jahre alt ist das Volkswagenwerk in Baunatal, aber am 5. Oktober 1957 wurde im Frankfurter Oberlandesgericht der Vertrag zwischen der Henschel & Sohn GmbH als Eigentümer und der Volkswagenwerk GmbH als Käufer über den Erwerb des Grundstücks geschlossen.

Ohne diesen Tag hätte es das Werk nicht gegeben, die Stadt Baunatal wäre nicht entstanden und auch der Landkreis wäre um eine Menge Euro jedes Jahr ärmer. Selten hat eine Investition eine Region so nachhaltig beeinflusst, wie die Entscheidung aus Wolfsburg, in Nordhessen das zweitgrößte Inlands-VW-Werk zu bauen.

Aus diesem Anlass blickten Stadt und Volkswagenwerk am Mittwochabend auf die Geschichte des Werkes zurück. Mit einem Vortrag schilderte Günther Pöpperl die Historie des VW-Standortes, in dem er selbst von Anfang an und sehr lange Zeit gearbeitet hat. Das Werk trägt den Namen Kassel, obwohl es in Baunatal liegt. Bürgermeister Manfred Schaub wird nicht müde darüber zu kalauern: Kassel trägt den Namen, Baunatal bekommt die Steuern.

Kassel ging leer aus - zwei Mal im Monat Geld aus der Tüte

Günther Pöpperl schilderte die Historie ©Foto: Rainer Sander | nh24Pöpperl erinnerte daran, dass Kassel natürlich ein Auge auf das Dörfchen Altenbauna mit damals 850 Einwohnern (1957) geworfen hatte. Landrat Josef Köcher hat dafür gesorgt, dass Altenbauna und Rengershausen nicht nach Kassel eingemeindet wurden.

Mit 28 Menschen hat VW damals begonnen. Am 1. Mai 1959 war dann Baubeginn für die Halle 1. Im Oktober 1960 war sie bereits fertig. Als die ersten Arbeiter anfingen, war es übrigens noch üblich, den Lohn in Tüten auszuzahlen. Zwei Mal im Monat gab es diese Lohntüten.

Pöpperl selbst wurde 1962 angeworben. Bei Zeiss hat er gearbeitet und kam aus Göttingen. Gewohnt hat er in einem „Ledigen-Wohnheim“ von VW, in dem Damenbesuch nicht erlaubt war. Von da an hat das langjähre Mitglied im „Verein für Heimatgeschichte und Denkmalpflege Baunatal e.V.“ die Entwicklung begleitet, vieles aufgeschrieben und fotografiert.

Viele Meilensteine in 60jähriger Geschichte

Von 1963 bis 1968 Feierstunde im Sitzungssaal der Stadtverordneten ©Foto: Rainer Sander | nh24wurde die Halle 2 als größte Halle gebaut. 1966 entstand die Stadt Baunatal durch den Zusammenschluss mit Größenritte. 1967 gab es die erste Absatzkrise. 1989 fasste das Stadtparlament einstimmig den Beschluss zum Bau für das OTC, die zentrale Ersatzteil-Logistik für den gesamten Konzern in Deutschland. Manfred Schaub war zu dieser Zeit als städtischer Mitarbeiter der Protokollführer.

1996 entstand das Kundenzentrum, 1997 wurde die automatische Getriebefertigung eingeführt. 1999 wird die Halle 4 zu einem Pilotprojekt in der Getriebefertigung und das Stufenlose Automatikgetriebe entsteht. Im Jahr 2000 wird das 5 Millionste Getriebe gebaut.

Nicht nur fröhliche Runden

Bürgermeister Manfred Schaub ©Foto: Rainer Sander | nh24Nicht immer fröhlich habe man in den zurückliegenden Jahren zusammengesessen, erinnerte sich Manfred Schaub. 2006 und 2015 waren einschneidende Jahre. Vor 11 Jahren stand das Werk „auf der Kippe“, vor zwei Jahren sorgte die Manipulation der Abgaswerte für große Sorge. „Wenn VW hustet, bekommt die Region Lungenentzündung“, ein uralter Spruch, der aufgrund der Größe von VW in der Region auch nie an Bedeutung verlieren wird. Aber Schaub lobt die Zusammenarbeit mit dem Werk: „Wir haben Immer frühzeitig begonnen Probleme zu klären!“

16.500 Menschen arbeiten im Werk und hinzu kommen die 9.000, die schon im Ruhestand sind und die Mitarbeiter von Firmen, die zuliefern. Eine unüberschaubar große Zahl von Menschen, die direkt mit der Automobilfertigung in Nordhessen zu tun haben oder hatten.

Werksleiter Thorsten Jablonski ©Foto: Rainer Sander | nh24Werksleiter Thorsten Jablonski zählt Superlative auf, wie das größte Getriebewerk Europas. Größe allein bestimmt aber nicht die Zukunftsfähigkeit. Die gewonnenen Kernkompetenzen und die weltweit höchste Fertigungstiefe - nirgends werden so viele Teile direkt gefertigt – wirken nachhaltig. Vor allem, weil die Elektroautos hier in Baunatal als Leitwerk für die neue Technik entstehen. Hybride, so Jablonski, erfreuen das Werk, weil die Produktion ausgelastet ist. Es müsse sich für die E-Mobilität noch viel bewegen.“

Ohne Namensnennung – zwei Mal Wende mit Professor Becker

 Steffen Dittmar von der Wirtschafsgemeinschaft Baunatal ©Foto: Rainer Sander | nh24Auch wenn bei einem Rückblick über 60 Jahre nicht alle Namen genannt werden können, eine Entwicklung, die der letzte Werksleiter, Professor Hans-Helmut Becker, mit enormer Weitsicht eingeläutet hat. Er hat die erwähnte, drohende Werksschließung 2006 abgewendet und – teilweise gegen den Mutterkonzern – die E-Mobilität nach Baunatal geholt. Angesichts geplanter 400.000 E-Autos allein für den chinesischen Markt jährlich, eine nachhaltig wirkende Entscheidung für den Standort. Tianjin in China, so Jablonski, ist Quasi das Schwesterwerk, mit ähnlicher Produktion in Fernost. Sein Fazit: Wir sind gut aufgestellt und positiv gestimmt!“ (rs) 

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Kommentare   

 
+1 # Hartmut Heise 2017-11-17 12:14
Natürlich wurden schon in den 70er Jahren für die Typ 3 - Fahrzeuge autom. 3-Gg. Getriebe nur im Werk Baunatal gefertigt.
Entwickelt von dem Getr.-Entwickle r Sommer der FE-WOB.
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