Kolumne
DIE KOLUMNE: Kribbeln und Krabbeln Drucken E-Mail
Mittwoch, den 25. Oktober 2017 um 17:18 Uhr

Rainer SanderSCHWALMSTADT. Wer erinnert sich noch daran? Es ist noch nicht lange her, da musste man im Sommer wenigstens einmal pro Woche die Frontscheiben und die Scheinwerfer von Mücken und Fliegen befreien. Sonst war die Sicht deutlich getrübt. Mückenschwämme hatten Hochkonjunktur. Seit einigen Jahren hat das nachgelassen. Sind die Scheiben etwa mückenabweisend geworden? Fahren wir alle langsamer? Hat die Evolution den Faltern und Flugameisen so viel Intelligenz eingehaucht, um den rollenden Blechkarossen zu entwischen?

Wohl kaum! Es gibt einfach weniger Insekten. Und das ist seit 14 Tagen nicht nur so ein Gefühl, das womöglich doch täuscht. Eine Langzeitstudie hat es belegt. Weniger Kribbeln und Krabbeln und vor allem weniger Arten. Viel weniger! Na super, könnten wir sagen! Weniger Mückenstiche, weniger lästige Fliegen und weniger Spinnen, die Angst machen! Es weiß noch keiner so genau, warum, aber dass die intensiv betriebene Landwirtschaft einen großen Anteil daran hat, liegt sehr nahe. Insektiziden und Pestizide sollen schließlich genau das tun, nämlich alles was im Feld krabbelt und fliegt zu vernichten. Die Chemie kann aber schwer zwischen nützlichen und schädlichen Insekten unterscheiden. Also müssen alle dran glauben.

Blöd nur, dass Vögel oder alle anderen Insektenfresser, die wiederum Beute für andere Lebewesen sind, dann auch nichts mehr zum Fressen haben und aussterben. Ok, vegetarisch und vegan ist im Trend, essen wir also mehr Pflanzen! Schade, dass viele Pflanzen nicht nur von Bienen bestäubt werden, die wir dank unseren Imkern noch im Griff haben, sondern auch von anderen Insekten. Also wird’s auch mit der Pflanzenwelt irgendwann reichlich dünn.

Natürlich kommt vielleicht nicht alles so schlimm, vielleicht auch nicht so schnell, dann haben unsere Enkel das Problem und die Wirtschaftsstrategen werden auch weiterhin erklären, dass sich alles rechnen muss. Das tun sie aber nur so lange, wie wir der Meinung sind, dass billig besser ist als gut! Gerade jetzt wird die EU den Einsatz von Glyphosat verlängern.

Es ist halt so, dass wir für die Erde keinen „Plan B“ haben. Es gibt keine zweite Erde, die wir gegen die bisherige eintauschen können, wenn unser großangelegter „Selbstversuch“ in die Hose gegangen ist. Wir schrauben am Klima, produzieren Müll, der Jahrtausende gefährlich ist und vernichten Arten, wie es die Evolution ohne uns in Jahrtausenden nicht geschafft hätte. Die gute Nachricht ist, dass die Natur das immer wieder ins Gleichgewicht bekommt! Die schlechte ist, dass sie dabei vielleicht entscheidet, dass ohne uns zu tun und dass sie das entscheiden könnte, während wir noch da sind…

Ihr

Rainer Sander

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