Kolumne
DIE KOLUMNE: Barzahlers Umgang Drucken E-Mail
Freitag, den 17. Februar 2012 um 07:58 Uhr
DIE KOLUMNE: Barzahlers Umgang ©Foto: Archiv/dapdSchwalmstadt. Sage mir mit wem Du umgehst und ich sage Dir, wer Du bist. Diesen Goethe-Satz habe ich früher meinen Eltern und Großeltern sehr oft gehört. Als Kind wirkten solche Weisheiten eher abstrakt, in reiferen Jahren erkennt man tatsächlich ihren Sinn. Ganz ohne Wertung - aber gerne etwas satirisch - lohnt es sich vielleicht, die besten Freunde von Christian Wulff mal genau zu betrachten?

Da ist einmal der Filmproduzent David Groenewold, der kürzlich 250.000 Euro Schadenersatz zahlen musste, weil eine Firma, die ihm zur Hälfte gehört hat, Künstler um viel Geld gebracht hat. Dann der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, der jahrelang so etwas Ähnliches wie eine der größten „Drückerkolonnen“ Deutschlands angeführt hat, um Finanzanlagen sowie Versicherungen erfolgreich unters Volk zu bringen und dabei massenweise Altverträge zu kündigen. Sozusagen der Mehmet E. Göker „in ganz seriös“ – so seriös man eben Versicherungen und Finanzanlagen verkaufen kann. Und dann gibt es noch den Egon Geerkens, der aus Schrott, Immobilien und Schmuck so viel Geld gemacht hat, dass er es jetzt im Steuerparadies Schweiz in Sicherheit bringen kann.

Wer dazu gehören möchte, muss mithalten? Emporkömmlinge werden im echten Adel – oder Geldadel – allerdings auch „Neureiche“ genannt und weder von denen, noch von ihrer wahren Heimat ernst genommen. Aber viele verhalten sich auch tatsächlich so. „Es ist immer unangenehm, wenn das Wachstum des Charakters mit dem des Geldbeutels nicht Schritt halten kann“. Dieser Satz ist zwar nicht von Goethe, aber von einer nordhessischen Vermögensberaterin – also fast einer Kollegin von Herrn Maschmeyer. Und sie hat genauso Recht damit, wie der Freiherr!

Ob der Präsident etwas falsch oder richtig gemacht hat, wie viel er falsch oder richtig gemacht hat, das wird irgendwann egal. Die interessanteste Frage ist, „wer sonst hat überwiegend solche Freunde?“

Wenn der zweite Bundespräsident innerhalb von zwei Jahren zurücktritt, sollten wir uns überlegen, doch wieder einen Kaiser zu krönen. Nein, ganz sicher nicht den von der ERGO-Versicherung, auch nicht den Franz. Nein, irgendeinen aus den Häusern der Staufer, Welfen oder Hohenzollern muss es doch noch geben. Das schützt vor Neureichen und am Ende sind dann auch ein paar Verfehlungen nicht weiter schlimm. Selbst etwas Filz schadet nicht, denn das ist in der Welt des Adels kaum hinderlich. Zumindest spricht man dort nicht drüber…

Ihr

Rainer Sander

 
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