Kolumne
DIE KOLUMNE: Krise Drucken E-Mail
Freitag, den 27. Januar 2012 um 12:40 Uhr
Rainer SanderSchwalmstadt. Wenn es jemand vergessen haben sollte: wir retten immer noch Griechenland, war in dieser fast vergangenen Woche zu erfahren. Die Griechen sind immer noch „klamm“ und die Finanzmärkte stets für jede Kapriole zu haben. Wer dem Verlauf der Krise mit gesundem Menschenverstand folgt, gewinnt den Eindruck, dass sich in Griechenland im Grunde gar nichts verändert hat. Je mehr die Griechen sparen, desto weniger Schulden können Sie abtragen. Es geht also nur mit Schuldenschnitt.

Das reimt sich und im Grunde sogar im doppelten Sinne: auf Geld verzichten müssten in diesem Falle die Kreditinstitute. Tun sie dies, dann haben wir ein neues altes Problem. Wir brauchen dann – neben dem Euro-Rettungsschirm – wieder einen Banken-Rettungsschirm. Hurra! Die Lösung gleicht der Quadratur des Kreises.

Interessant ist, dass die im Staatsbesitz befindliche Commerzbank zum Beispiel über ihre Online-Tochter Comdirect immer noch Geld für Kontoeröffnungen verschenkt und der Wettbewerbe wird über Renditen für Geldanlagen und Festgeldzinsen entschieden. Auch der Verbraucher scheint trotz Krise immer noch zu glauben, man könne mit der richtigen Anlagestrategie mehr Geld verdienen, als mit ehrlicher Arbeit. Die Bundesregierung macht es vor, wir zahlen ja nicht, sondern bürgen nur, sagen Minister und Kanzlerin. Der Tag scheint näher gerückt zu sein, an dem die Politik merken wird, dass man für insolvente Unternehmen keine Bürgschaften abgibt.

Solange wir fest daran glauben wollen, dass wir ein Recht auf hohe Zinsen haben, Bürgen ohne Risiko ist und wir von der Krise im Grunde nichts merken und sie daher für einen Medien-Gag halten, wird es schwer sein, zukünftig Krisen zu meistern.

Mir sind indes in der Fernsehwerbung zwei kurz nacheinander gesendete Spots aufgefallen. In dem einen verspricht ein Bankhaus 2 Prozent Festgeldzinsen. Im nächsten prophezeit ein Aufsteller von Windkraftanlagen 8 Prozent jährlich für ein Produkt, das nur funktioniert, weil es aus unseren Stromgeld-Aufschlägen extrem subventioniert wird. Na immerhin: das, was wir zu viel an Strom bezahlen, können wir durch eine Beteiligung an einem Unternehmen zurückholen. Logisch? Nein! Aber eine gute Chance für Banken und andere „Krisenopfer“, um an Geld zu kommen...?
Ihr Rainer Sander
 
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