Kolumne

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DIE KOLUMNE: Der Gauck Drucken E-Mail
Samstag, den 24. März 2012 um 10:33 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Jetzt haben wir den Salat. Joachim Gauck ist Bundespräsident. Wohl noch nie hatten wir ein Staatsoberhaupt, das mit Worten so trefflich umzugehen vermag, dabei eine so unverletzende und doch deutliche Sprache spricht, selten einen, der so schlüssig und konsequent handeln kann, weil er ausschließlich seine eigene Meinung vertritt und in der Vergangenheit nie einem Parteivorsitzenden, einem Generalsekretär oder einer Handvoll Landesvorsitzenden gefallen musste.

Auch neu in der Geschichte der Bundesrepublik ist, dass SPD und CDU einen gemeinsamen Kandidaten auf den Schild gehoben haben. Und FDP sowie Grüne haben dazu Beifall geklatscht – zumindest die jeweiligen Parteiführungen.

Ob das Volk so viel besser weiß, wer da jetzt Bundespräsident geworden ist? Egal, mit einem spitzbübischen Lächeln haben Wähler und Nichtwähler die Diskussion um den Bundespräsidenten verfolgt. Der neue Bundespräsident lebt mit einer Frau zusammen, ist aber mit einer anderen verheiratet. Gut, das trifft auf viele Bundesbürger zu, Trennungen und neue Beziehungen sind weit verbreiteter als lebenslängliche Bindungen mit Sicherungsverwahrung. Als aus Reihen der CSU der Vorstoß kam, Gauck müsse zunächst seine Beziehung legalisieren, dürften drei Viertel aller deutschen geschmunzelt haben. Offensichtlich bewerten wir Joachim Gauck anders als frühere Bundespräsidenten? Von denen haben wir stets verlangt, dass sie Fehler - die wir selbst begehen - bitteschön unterlassen.

Bei Gauck können wir uns vorstellen, dass er auch schon Strafzettel wegen falschen Parkens bekommen hat und vielleicht ist er zwischen zwei Terminen auch schon mal zu schnell über die Landstraße gefahren. Solche Nachrichten werden uns nicht mehr erschüttern, vielleicht weil wir in Gauck einen Charakter erkennen und nicht einen Politiker, der zu 90 Prozent tut oder sagt, was lediglich der Wählbarkeit dient.
Wären alle Volksvertreter so, es gäbe schlechte Zeiten für Enthüllungsjournalisten. Nicht, weil es Nix zu enthüllen gäbe, sondern weil sich mit diesen Nachrichten keine Zeitungen verkaufen lassen. Schlechte Zeiten auch für Politiker? Die Ministerriege und die 600 Abgeordneten in Berlin haben jetzt ständig einen Spiegel im Rücken, der ihnen selbst und den Menschen im Lande zeigt, wie normal mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes Sachverhalte bewertet werden können. Da könnte manches HB-Männchen, mancher Wendehals und mancher Opportunist – im Vergleich - ganz schnell komisch wirken.

Und das Volk? Sollte der Charakter von Joachim Gauck ein wenig auf die ganze Politik abfärben – unabhängig davon, ob uns die Meinung gefällt oder nicht – auch dem Volk könnte ein wenig das Feindbild verloren gehen und das Bewusstsein erwachen, viel mehr wir eigenverantwortlich handeln müssen, als vielleicht bisher angenommen. Können wir damit umgehen?

Ihr

Rainer Sander

 
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