Kolumne
DIE KOLUMNE: Noch mal Wulff Drucken E-Mail
Donnerstag, den 12. Januar 2012 um 08:20 Uhr
Christian Wullf noch als Ministerpräsident in Frielendorf ©Archiv: Alexander WittkeSchwalmstadt. Die Krise ist ausgestanden? Christian Wulff glaubt fest daran, dass bald niemand mehr über die aktuelle Affäre spricht. Und er äußert diese Gedanken für alle deutlich hörbar, nachdem er bezahlte Urlaubsreisen, angenehme Privatkredite und zinsgünstige Bankkredite gegenüber einer gut informierten Presse als Normalfall dargestellt und negative Berichterstattung darüber mit Drohungen hat verhindern wollen. Seit Heinrich Lübke hat sich kein Bundespräsident mehr so naiv und dilettantisch verhalten wie Christian Wulff.

Noch vor wenigen Jahren hätten sich allerdings die meisten Journalisten für die aktuelle Berichterstattung über unser Staatsoberhaupt geschämt. Heute gehören Bloßstellen und Vernichten zum „guten Journalismus“. Erfolgreich ist, wer Politiker stürzen kann. Seit Watergate ist dies ein beliebter Journalistensport, der von Rekord zu Rekord eilt. Es gibt Zeitungen und Magazine, deren Leser und Zuschauer das Stürzen konservativer Politiker beklatschen und es gibt Zeitungen und Magazine, deren Leser und Zuschauer das Stürzen linker Politiker erwarten. Journalismus ist ein Geschäft wie jedes andere, Verkaufszahlen, Einschaltquoten und Klicks zählen.

Wenn unsere Politiker von den Herausforderungen einer unbeherrschbaren medialen Welt längst überfordert sind, wer will ernsthaft erwarten, dass die Medien ihre eigene Welt noch beherrschen?

Die Jagd auf Wulff ist noch nicht zu Ende, auch wenn seine Fans noch immer zu ihm stehen. Und nicht der Gejagte erklärt das Ende der Jagd, sondern der Jäger…

Eigentlich mögen wir keine Politiker, die unehrlich sind, andererseits sind uns Menschen suspekt, die einfach nur stets korrekt sind. Eigentlich mogeln wir selbst bei unseren Steuererklärungen ganz gerne, für einen Politiker gelten andere Maßstäbe als für uns selbst. Die Mehrheit der Deutschen wäre für ein hohes politisches Amt aufgrund der eigenen Unfehlbarkeitsansprüche vermutlich ungeeignet. Ein wenig scheinheilig ist das schon – oder?

Und Wulff? Selbst wenn Gras über Schildas Stadtmauer wachsen sollte, Politiker haben es immer nur dann geschafft sich aus einer Krise zu befreien, wenn ihnen nach einer Phase relativer Ruhe ein echter Befreiungsschlag gelungen ist. Irgendetwas Besonderes. Wenn einer als besonders artig galt und dann als unartig aufgefallen ist, gilt das insbesondere.

Mir fällt spontan nichts ein, was Wulff bisher spektakuläres geleistet hat. Eine gewisse Blässe wird bleiben und damit bietet sich kaum eine Chance, die Gunst der Menschen zurückzuerobern. Allein auf bessere Zeiten zu warten, wird nicht funktionieren. Spätestens wenn die guten (Partei-) Freunde wegbleiben obwohl sie besonders freundlich daherkommen, ist die Zeit reif, um seine eigene Perspektive zu überdenken…

Ihr Rainer Sander

 
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