Kolumne
DIE KOLUMNE: Alles umsonst Drucken E-Mail
Donnerstag, den 14. August 2014 um 07:15 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Die Prinzipien der Politik sind oft gar nicht so schwer zu verstehen. Ist eine Regierung gewählt, so wird sie in den ersten zwei Jahren ihrer Amtszeit all das tun, was uns Bürgern wehtut, was uns Geld kostet und unsere Privilegien reduziert. Der eine spürt‘s mehr, die andere weniger, aber wir sprechen drüber und mosern, auch dann, wenn wir gar nicht betroffen sind.

Im dritten Jahr wird es bereits ruhiger und im vierten Jahr (bei manchen Legislaturperioden auch im fünften Jahr) passiert garantiert nichts grausames mehr. Unser Gedächtnis sorgt nämlich dafür, dass wir unangenehme Dinge schneller vergessen als angenehme und was länger als ein Jahr zurückliegt, ist uns kaum noch präsent. War das letzte Amtsjahr einer Regierung also weitgehend schmerzfrei, wählen wir die gleiche Mannschaft gerne wieder!

Im Wahlkampf werden dann übrigens hübsche Geschenke versprochen und weil uns alle Parteien etwas anderes versprechen, dürfen wir sogar zwischen verschiedenen Wohltätern auswählen. Das ist das Wesen der Demokratie. Das Problem ist, dass wir unsere Geschenke am Ende immer selbst bezahlen, weil eine Erleichterung auf der einen Seite, nahezu immer eine Belastung auf irgendeiner anderen Seite produziert.

Und jetzt, mitten im wunderschönen Sommerloch, überrascht uns die Linke mit einem wunderbaren Vorschlag. In der Parteizentrale hat man festgestellt, dass nicht alle Deutschen Urlaub machen, aber gleichzeitig wissenschaftlich festgestellt, dass Urlaub der Erholung und der Gesundheit dient. Was also liegt näher, als allen Deutschen einen Urlaub für 500 Euro zu schenken? Nichts, sagt die Partei, fordert und verspricht es! Ein Geschenk ganz ohne Bundestagswahl? „Ich fürchte die Danaer (Griechen), auch wenn sie Geschenke bringen“, soll man in Troja gesagt haben, als plötzlich ein hölzernes Pferd vor dem Stadttor stand und die kriegerischen Griechen verschwunden waren.

Immerhin ist das seit der FDP-Initiative vor vier Jahren zur Senkung der Mehrwertsteuer auf Hotel-Rechnungen der weitreichendste Subventionsvorschlag für die bundesdeutsche Tourismusbranche. Nach spätestens drei Jahren wäre diese angenehme Wohltat dann längst zur Gewohnheit geworden, die wir nicht so schnell wieder vergessen und prompt werden wir - und weitere Generationen – dann davon überzeugt sein, dass der Staat für unseren Urlaub zuständig und verantwortlich ist.

Man wird bald auch feststellen, dass nicht alle Haushalte einen Flachbildschirm besitzen, diese aber beim Fernsehen gesünder – weil flimmerfrei – sind und der Informationsverbreitung dienen. Wir haben auch nicht alle ein E-Bike. Dabei ist es gesund und schützt die Umwelt. Also bekommen wir dann auch alle neue Fernseher und Elektro-Fahrräder von Bundesregierung geschenkt? Ich freue mich schon!

Ihr

Rainer Sander

 
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