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Schwalmstadt. „Es kommt immer noch mehr Zeit“, so lautet ein afrikanisches Sprichwort. Es markiert das Gegenteil der „Carpe Diems“, der Prediger, den Tag zu nutzen. Kann man Zeit verschwenden? Wenn ja, ist es im ethischen oder religiösen Fall eine Sünde, dies zu tun?
Von „Zeitdieben“ sprechen Manager gern, die in teuren und langen Seminaren das Zeitmanagement erlernt haben. Als ließe es die Zeit zu, gemanaged zu werden. Man kann immer nur sich selbst managen. Und das ist - weiß Gott - nicht leicht. Dahinter steckt die panische Angst, etwas zu verpassen, etwas nicht zu schaffen oder ineffizient zu sein. Und Manager kontrollieren sich gegenseitig. Gerne fällt ein Fingerzeig auf den, der seine Zeit offensichtlich nicht sinnvoll einsetzt. Dahinter steckt stets der Gedanke, man müsse Zeit so sinnvoll, wie irgendwie möglich nutzen, um bloß nichts davon zu verschenken und vor allem: „wenn man Zeit nur sinnvoll verwaltet, dann ist sie ergiebiger...“
Dagegen steht die „Hast-Du-es-eilig-gehe-langsam-Fraktion“. Es gibt also auch eine Welt, in der Menschen nicht götzenhaft daran glauben, dass Effizienz am Ende wertvollere Ergebnisse produziert. Könnte es sein, dass Dinge, denen man Zeit lässt am Ende sogar wertvoller sind? Und könnte es außerdem sein, dass man manche Aktivität, für die man durch strikte Planung ein wenig Zeit gewonnen hat, auch nicht vermissen würde, hätte man sie unterlassen? Wenn ich den vielen Unsinn auf der Welt betrachte – erscheint es so, als wäre „Weniger“ oft „Mehr“.
Es ist die Zeit von Christi Himmelfahrt und Pfingsten und damit auch die Zeit des Zusammenrückens von Vater, Sohn und Heiligem Geist – der so genannten Dreifaltigkeit. Die Kirchengründung geht darauf zurück – sagt man. Und irgendwie werde ich dieser Tage dabei den Gedanken nicht los, dass weder Jesus in den Himmel noch der Heilige Geist auf die Erde gefahren sind, weil der Glaube so effizient war, Jesus mit dem Zeitplaner in der Hand seine Wunder vollbracht und die zwölf Apostel nach einem erfolgreichen Zeitmanagement Palästina und das Heilige Land missioniert haben. Mit etwas mehr als 30 Lebensjahren hätte Jesus Christus mit ein wenig Effizienz weit mehr als ein gutes Dutzend Wunder vollbringen können. Und eine einzige Bergpredigt mit einem einzigen Gebet? Immerhin sprechen wir das „Vater Unser“ noch heute und möglicherweise reicht es eher, die Zeit so sinnvoll zu nutzen, dass manchmal etwas Richtiges entsteht, etwas sehr Gutes, als ganz oft etwas mittelmäßig Gutes. Was also ist Effizienz?
Nach der Philosophie „es kommt immer noch mehr Zeit“ zu leben, setzt allerdings auch voraus, keine Angst vorm Alter zu haben und außerdem das Selbstvertrauen, vielleicht erst in späten Jahren sehr gut zu sein…
Ihr
Rainer Sander
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