Kolumne
DIE KOLUMNE: Vorratsdaten Drucken E-Mail
Freitag, den 20. März 2015 um 20:01 Uhr

Rainer Sander ©Foto: nh24 | Wittke-FotosSchwalmstadt. Sie kennen das? Im weltweiten Netz suchen Sie einmal nach schwarzen Baumwollsocken oder blauen Wassergläsern und plötzlich erscheinen in den Werbeanzeigen auf sämtlichen besuchten Internetseiten wochenlang schwarze Baumwollsocken und blaue Wassergläser.

Da hat also jemand auf Vorrat nicht nur Ihre Daten, wie die ganz persönliche IP- und Mac-Adresse Ihres Rechners gespeichert, sondern Google, Facebook, WhatsApp, eBay & Co. sammeln munter Daten über Vorlieben, Neigungen, wirtschaftliche Verhältnisse anhand des Einkaufsverhaltens und Anderes.

Dazu können wir „Nein“ sagen! Der Preis dafür ist, in der weltweiten Gemeinschaft, dem riesigen „sozialen“ Netzwerk, nicht mehr dazu zu gehören. Im Grunde sind es gerade mal eine gute Handvoll Konzerne im Internet, die zwischen damit begonnen haben, unser Leben zu steuern, indem sie uns anhand der eigenen überlassenen Daten durch eine individuelle Internet-Welt „führen“. Und selbst „kleine“ Geschäftsleute aus unserer Nachbarschaft können davon profitieren, wenn sie Anzeigen im Netz schalten oder Kaufkraftdaten erwerben.

Wenn wir zusätzlich zulassen, was die meisten von uns längst getan haben, dass unser Handy auch permanent den aktuellen Standort übermittelt, dann präsentieren wir uns den Datensammlern so nackt, wie in jedem Nacktscanner auf einem Flughafen. Nur nicht für 1 Sekunde, sondern für 24 Stunden am Tag. Google und Co. wissen, wie lange wir im Bett liegen und könnten uns auf dem Weg ins Bad schon eine Pushmail mit unserer Lieblings-Kaffeesorte schicken! Schließlich benutzen wir unser Handy nicht mehr zum Telefonieren, sondern zum Navigieren, zum Kommunizieren, zum Suchen und dafür, uns morgens zu wecken.

Geheimdienste und Ermittler können übrigens nur Daten sammeln, die unsere Handyprovider längst haben! Und mit den wunderbar praktisch neuen Sprachsteuerungen der Suchmaschinen, die offen erklären, von unseren Vorlieben zu lernen und die unsere „virtuellen Freunde“ sein möchten, verraten wir naiv unsere intimen Geheimnisse. Wenn wir heute nach Kabelbindern suchen, wissen Google und Co. längst, ob sie die Daten an besser Baumärkte oder an Erotik Versandhäuser schicken müssen, weil sie schon lange von uns erfahren haben, ob wir damit Herr über unsere Kabelbäume oder unseren Sexualpartner sein möchten. So schön ist das neue Leben!

Zur Verbrechensbekämpfung möchten Regierungen Daten aus Telefonrechnungen oder unsere Aufenthaltsorte speichern, für den Fall, dass sie im Ernstfall einmal nützlich sein könnten. Also das, was Google, Facebook, WhatsApp und andere schon lange deshalb tun, weil unser Leben damit irgendwie schöner und unendlich sozialer wird.

Also, was sollen wir tun? Den Strafermittlern erlauben, unsere Daten ganz offiziell zu sammeln oder ihnen empfehlen, sich ein „Google+-Konto“ zuzulegen, sich bei Facebook und WhatsApp zu registrieren und fleißig bei eBay zu schauen, wo es weit mehr frei zugängliche Daten über uns zu kaufen und zu entdecken gibt, als die Ermittler je sammeln könnten?

Ihr

Rainer Sander

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