Kolumne
DIE KOLUMNE: Die Welt rüstet auf Drucken E-Mail
Donnerstag, den 11. Juni 2015 um 23:23 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Es waren die Jahre nach dem Kalten Krieg, die Zeit nach den Wirtschaftskrisen, als die Rüstungsausgaben all überall zurückgingen. Die Feindbilder waren verschwunden und die Kassen leer. Die günstigste Gelegenheit, im Rüstungsetat zu sparen. Für eine Zeit schien der Weltfrieden in greifbarer Nähe, wenn es die Islamisten nicht gäbe. Seit der Krim- und der Ukraine-Krise scheint die Welt allerdings wieder die alte zu sein, Feindbilder kehren zurück und mit ihnen schlägt die Stunde der Rüstungsetats.

Osteuropa rüstet auf, aber auch die Bundeswehr. Neue Abwehrsysteme und Waffensysteme stehen auf dem Einkaufszettel. Wenn sich die Höhe der Pro-Kopf-Rüstungsausgaben an der Bedrohungssituation orientiert, dann müssten allerdings die Griechen die größte Angst in Europa haben. Fragt sich: vor ihren Feinden oder vor ihren Gläubigern? Jedenfalls haben die Griechen – zurzeit die Nation mit dem „klammsten“ Haushalt - die höchsten Rüstungsausgaben und in der Relation zur Einwohnerzahl die größte Armee. Alle Achtung! Nix aufs Brot, aber immer einen Panzer greifbar?

Dabei könnte die wahre Bedrohungslage zukünftig ganz anders sein. Das hat der Hackerangriff auf das Computersystem im Deutschen Bundestag vor einigen Wochen eindrucksvoll gezeigt. Wie bei richtigen Viren, helfen keine Antibiotika. Da versagen die meisten Abwehrsysteme und ganz offensichtlich hat sich jemand längere Zeit im System des Deutschen Bundestages umgesehen und sicherlich das eine oder andere geheime Dokument abgegriffen.

Bis heute ist nicht klar, wer der Eindringling war. Und das ist scheinbar nichts Ungewöhnliches: Der russische Antiviren-Software-Spezialist Kaspersky hat jüngst ebenfalls einen Virus in seinen Systemen entdeckt, der dort längere Zeit unbemerkt durchs Unternehmen spaziert ist. Mit der richtigen Software kann ein Krieg richtig preisgünstig sein und es nützt nichts, mit Panzerfäusten auf Computer zu schießen.

Aber es gibt Hoffnung. Vladimir Putin – das selbst ernannte und akzeptierte Feindbild des Westens – war jüngst beim Papst. Über den Grund weiß man genauso wenig, wie über die Hacker im Bundestag und die Viren bei Kaspersky. Man schrieb das Jahr 1076, als König Heinrich IV den Gang nach Canossa als Büßer zu Papst Gregor VII antrat, um dessen Verbindung mit den deutschen Fürsten zu verhindern. Was wollte Putin jetzt verhindern? Viren oder Bündnisse?

Die Welt bleibt spannend und ihre Kriegszustände verlangen sich auf die Ebene von Computerspielen? Dann dürften die heranwachsenden Generationen bestens gerüstet sein.

Ihr

Rainer Sander

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