Kolumne
DIE KOLUMNE: Liebe Griechen, Drucken E-Mail
Freitag, den 03. Juli 2015 um 11:56 Uhr

©Foto: nh24 | Wittke-FotosSchwalmstadt | Athen. Einst hat Europa von Euch gelernt, Ihr habt die Demokratie erfunden! Der ständige Kampf zwischen Göttern, Halbgöttern und Menschen hat Euch gestählt. Was waren das für Typen, die in Sparta gelebt haben und sich durch Mut, Tatkraft und Verantwortungsbewusstsein ausgezeichnet haben.

Auf Kreta gab’s schon eine Schrift, als andere gerade richtig sprechen lernten. In dieser Zeit gab's keine Weicheier, die gejammert haben, dass andere ihnen das Leben schwer machen. Hey und sogar in Sachen Homo-Ehe wart Ihr uns wohl schon lange voraus.

Und dann war da das Troja in Kleinasien, das ihr Heldenhaft belagert und am Ende mit der List des trojanischen Pferdes zu Fall gebracht habt. Es sind diese Heldensagen, die mich die ganze Schulzeit begleitet und mein Bild von Griechenland geprägt haben. Selbst die Kelten in Europas Mitte haben auf ihre ersten Gold-Münzen das Bildnis des Griechen-Königs Philipp geprägt, weil sie in Eurer Art zu wirtschaften und in Eurem Finanzsystem ein Vorbild gesehen haben. Eure Goldmünzen waren etwas wert und im Altertum offensichtlich lange Zeit die Leitwährung. Ok, 621 v. Chr. hattet Ihr schon einmal eine Wirtschaftskrise, die sich selbst mit drastischen Maßnahmen nicht bekämpfen ließ. Ein schlechtes Omen?

Ihr habt die Perser verjagt und unter Alexander dem Großen, habt Ihr Weltreiche vernichtet sowie ein eigenes begründet, bis weit hinein nach Asien. Die ganze damals bekannte Welt hat sich vor Griechenland verbeugt und nicht den Hauch des Zweifels hat Griechenland an diesem vereinten Weltreich zugelassen. Ihr ward wer! Echte Typen, mutige Kerle. Euer Herkules ist noch heute das Wahrzeichen von Kassel, weil er selbst im Mittelalter und darüber hinaus noch als Vorbild galt.

Aber irgendwann kam diese Zufriedenheit, diese Lethargie, die Eure Reiche ruinierte und zerfallen ließ. Erst haben Euch die Römer gezeigt wie es noch besser geht und dann haben Euch die Osmanen geknechtet.

Heute erleben wir ein Griechenland, das in Korruption versunken ist - ein Schatten seiner Heldenära - und in dem unzählige Menschen für den Staat arbeiten aber nichts Produktives leisten. Und ihr erwartet vom Rest Europas, dass die Menschen Euch versorgen? Wir sollen dafür einspringen, wenn Ihr über Eure Verhältnisse lebt, die Reichen nicht besteuert, trotz des größten Beamtenapparates der EU nicht in der Lage seid Finanzämter effektiv arbeiten zu lassen und – obwohl das Weltreich von Alexander des Großen vor Jahrhunderten untergegangen ist – noch immer pro Kopf in der EU das meiste Geld für eure Armee ausgebt. Wollt Ihr am Ende Persien zurückerobern?

Die meisten von uns würden Euch sicher gerne helfen, wenn ihr Verantwortungsbewusstsein für die Ursache der Misere entwickeln würdet. Wir würden vielleicht sogar einen Schuldenschnitt akzeptieren, wenn klar wäre, dass ab jetzt alles geregelt wird und Griechenland zu seinen alten Tugenden aus heldenhaften Epochen zurückkehrt… Allein der Glaube daran fällt schwer.

Ihr

Rainer Sander

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