Kolumne
DIE KOLUMNE: Glaskugel oder iCar? Drucken E-Mail
Sonntag, den 07. September 2014 um 11:35 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Wer gestern in der betagten Kulturhalle von Ziegenhain dem Zukunftsforscher Lars Thomsen gut zugehört hat, könnte begriffen haben, dass die Praxis der Energiewende weder Umwelt-Romantik ist, noch ein staatlich verordnetes Ökologieprogramm und schon gar keine Offenbarung von Merkel, Gabriel oder Trittin.

Schon bald kosten Photovoltaikanlagen so wenig, dass sie auch ohne Förderung und EEG einen wirtschaftlichen Nutzen versprechen. Dann wird die Solartankstelle in der heimischen Garage zum Standard im Eigenheimbau. Die Batteriebauer rüsten mit neuen Fabriken auf, Kapazitäten, die in eineinhalb Jahren vermuten lassen, dass Elektroautos sogar billiger als Benzin- oder Dieselautos werden?

Etwa das müsste dann auch der Zeitpunkt sein, an dem Stromspeicher auch in den eigenen vier Wänden attraktiv sind. Als erstes werden Controller in den großen Unternehmen die Benziner zum Rotstift-Opfer machen. Dann kommen die Strategen und innovativen neuen Geschäftsmodelle, die mit der Kombination aus Eisenbahn und Elektro-Mietwagen auch die Fernfahrten attraktiv gestalten.

Aber wer baut die Autos? Alles, was in der Automobiltechnologie bisher von Bedeutung war, verliert an Wert. Nockenwellen, Auspuff, Katalysatoren und Einspritztechnik verlieren an Wert, intelligente Vernetzung hingegen an Bedeutung. Vernetzung der Verkehrsmittel, Vernetzung mit dem eigenen Unternehmen, der Familie zwischen Haustechnik und Fahrzeugtechnik – von der gemeinsamen Nutzung der Speicherkapazität bis zur Steuerung sinnvoller Abläufe im täglichen Leben – wird Realität. Erleben wir das iCar, das Google-Mobil und den Samsung C1? Mutieren heutige Automobilriesen zu Zulieferern für Fahrgestell und Karosserie oder stellen wir uns unsere Autos wahlweise mit Recaro oder IKEA-Sitzen und einer Karosserie von KiK oder Aldi selbst zusammen?

Wenn gleichzeitig Benzin und Gas im Preis steigen, kommt die Nachfrage beim Endverbraucher, also bei uns allen. Dann werden wir in den Supermärkten einkaufen, in denen wir nachtanken dürfen und als gesuchte Fachkräfte Arbeitgeber bevorzugen, die Solarstrom auf dem Firmenparkplatz anbieten.

Aber im Grunde – wenn dies alles so kommt – beginnt die Ökonomie dieser Zukunft bereits jetzt, in diesem Moment. Was ist ein heute gekauftes Benzin- oder Dieselauto in drei Jahren noch wert, wenn in einem gigantischen Veränderungsprozess, in dem niemand mehr auf die Vergangenheit Rücksicht nimmt, nichts mehr bleibt wie es ist und Verbrennungsmotoren zu einer sterbenden Technologie gehören? Dann wäre das Elektro-Auto heute schon wirtschaftlicher, weil es wertbeständiger ist. Also ist der Rundgang auf der E-Mobilitätsmesse in Schwalmstadt-Ziegenhain mehr als ein Blick in die Glaskugel…

Ihr

Rainer Sander

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