Kolumne
DIE KOLUMNE: Zu kalt Drucken E-Mail
Freitag, den 16. Januar 2015 um 17:26 Uhr

Rainer Sander ©Foto: nh24Schwalmstadt. Es ist über 25 Jahre her, als in Dresden und Leipzig jeden Montagabend tausende „Wir sind das Volk“ riefen. Sie waren das Volk und sie haben am Ende die Grenze „weggerufen“, nicht etwa David Hasselhoff, Ronald Reagan oder die Scorpions. Heute ruft man in Dresden wieder „Wir sind das Volk“, aber es geht nicht um Wahlrecht – das nimmt man in Sachsen am wenigsten wahr (Landtagswahlbeteiligung unter 50 Prozent). Es geht auch nicht um Reisefreiheit – Fremde im eigenen Land will man schließlich verhindern. Und es geht vor allem nicht um Demokratie.

In Dresden haben die Menschen Angst vor 2 Prozent Moslems, im übrigen Deutschland wohl mehr vor kalten Füßen und Schnupfen. Kaum der Rede wert sind die Zahlen in anderen Städten. Die Demonstranten treffen meist auf mehr Gegendemonstranten und Polizisten, die ihnen entweder den Weg versperren, den Weg weisen oder – wie in Köln - das Licht ausschalten.

Im Sommer bei schönem Wetter gegen Stuttgart 21 demonstrieren, das ist was Feines. Aber aus Frust mitten im Winter bei Regen durch Kassel, Leipzig oder Köln laufen? Ach nee, Das Kino- und das Fernsehprogramm sind zurzeit auch zu gut. Für Schönwetter-Demonstranten ist das nasskalte Winterwetter 2014/2015 echt nichts. Aber Angst haben muss sowieso nur, wer keine eigenen Werte hat oder bloß einen dünnen Mantel und schlechte Schuhe.

Überhaupt kommt die ganze Bewegung etwas „kalt“ rüber. Wenig Menschlichkeit, viele nichtssagende Worte, emotionslose Phrasen, viel Verbissenheit und selten ein Lächeln. Anders als 89, als eingesperrte Menschen positiv denkend die Wende erzwangen. Die Welt ist heute schlecht? Das Grundgesetz schützt allerdings auch Borderline, Depressionen, Angstzustände, Verfolgungswahn sowie Burnout. Und Pegida ist die Medizin? Macht sich der Facharztmangel in der Psychiatrie bereits bemerkbar? Ein paar Therapiestunden zusätzlich, ein klärendes Gespräch mit dem Psychologen oder eine höhere Dosis Haldol hätten es doch auch getan…!

Aber so werden Menschen, die wegen zwei Prozent Muslimen in ihrem Land vor Angst nicht mehr schlafen können, stattdessen nachts allein auf die Straße getrieben. Sie hoffen dort Gleichgesinnte zu treffen. Fast überall wird es den Freunden zu kalt. Nur in Dresden ist es ein wenig wie im Einzelhandel: Discounter sind häufig die Frequenzbringer und locken so viele Menschen an, dass andere davon auch profitieren. Und wenn ich so recht überlege, ist der Vergleich gar nicht so verkehrt. Discounter sind billig, decken nur einen Teil des Angebots ab und beschränken sich auf das Grundsortiment, das zum Leben allein einfach nicht reicht. Discount-Parolen decken eben auch nur einen Teil der Wahrheit und reichen nicht aus, um die Welt zu erklären…

Ihr

Rainer Sander

 
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