Kolumne
DIE KOLUMNE: Wir schrumpfen Drucken E-Mail
Freitag, den 04. April 2014 um 17:01 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Wir schrumpfen! Nicht, dass Menschen kleiner werden! Wir werden einfach weniger. Die Geburten gehen weiter zurück und die Verlagerung in größere Städte erledigt sowieso den Rest. Selbst Kassel träumt bereits wieder von 200.000 Einwohnern, währenddessen Fachleute prognostizieren, dass in naher Zukunft ganze Dörfer aufgegeben werden müssen, weil auch finanziell die Puste ausgeht.

Wie im Mittelalter, als Wüstungen entstanden, nach denen Archäologen gerne suchen. Chancen hat, wer gut vorbereitet seine Kommune mit Wirtschafts- und Kaufkraft ausstattet und perfekt verkauft.

Städte mit vielfältiger Infrastruktur aus Kultur, Bildung, Arbeitsplätzen und attraktiven Einzelhandelslandschaften werden weiter wachsen, alle anderen dagegen schrumpfen, dass ihnen Hören und Sehen vergeht. Nordhessische Gemeinden reagieren sehr unterschiedlich. Manche Kommune zwischen Bad Karlshafen und Ottrau hat bereits resigniert. Dort, wo Gemeindevertreter mutlos agieren und Geld an falschen Stellen ausgeben, könnten die Lichter irgendwann ausgehen.

In Baunatal, Fritzlar, Bad Wildungen, Melsungen oder Homberg/Efze gibt es ein funktionierendes Stadtmarketing, das nicht nur Stadtfeste organisiert. In Neukirchen/Knüll hat es sich sogar bewährt, die ehren- und hauptamtlichen Kräfte aus Einzelhandel, Handwerk und Dienstleistung mit denen des Tourismus zu bündeln und die Stadt erfolgreich zu positionieren. Borken hat kein Stadtmanagement, dafür einen kreativen Marktmeister, der alle Events organisiert, ein pfiffiges Kulturbüro und eine Museumsleitung, die Stadtmarketing mitgestalten, sowie den ehrenamtlichen Gewerbeverein, der Gewerbetreibende in Borken, Wabern, Bad Zwesten, Neuental und Jesberg gemeinsam vertritt. Selbst im kleinen Frielendorf – Spitzenreiter bei Gästeübernachtungen in Schwalm-Eder - plant man die Fusion von Gewerbe- mit Tourismusverein und professionelles Management.

Überall geht es um die Ansiedlung von Gewerbe, weil Arbeitsplätze die Zukunft sichern, Vermarktung für Touristen und Steigerung der Attraktivität durch Vielfalt. In Fritzlar, Bad Wildungen und Edertal geht die interkommunale Zusammenarbeit auf den Ebenen Politik, Verwaltung, Tourismus und Gewerbe soweit, dass die Schwerpunkte der einzelnen Kommunen gemeinsam gefördert werden. Wenn Bad Wildungen seine Rolle als Kurort stärkt, Edertal den Tourismus ankurbelt und alles vermeidet, was ihm schadet, kann in Fritzlar sogar ein gemeinsames Gewerbegebiet entstehen, aus dem sich alle drei Kommunen die Gewerbesteuer teilen.

Anders in Schwalmstadt. Die größte Stadt im Landkreis hatte zwischen Kassel und Marburg mal die höchste Kaufkraftbindung und am meisten zu verlieren. Sie stand kurz vor einer Fusion der beiden stets getrennten Gewerbevereine von Treysa und Ziegenhain mit der Schwalmtouristik zu einem Stadtmarketing, bis das Parlament alles stoppte, um mitreden zu können. Auch 40 Jahre nach der Gebietsreform leiden dort immer noch viele unter den Phantomschmerzen der Gebietsreform. Dabei ist es völlig egal, ob sich jemand seine Socken in Treysa oder Ziegenhain kauft. Hauptsache nicht in Alsfeld, Stadtallendorf oder Homberg. Dort sieht man das völlig anders und reibt sich die Hände…

Ihr

Rainer Sander

 
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