DIE PFINGSTKOLUMNE: Heiliger Geist! Drucken E-Mail
Sonntag, den 04. Juni 2017 um 00:00 Uhr

Rainer Sander SCHWALMSTADT. Während die Retter des (christlichen Abendlandes) überall aufmarschieren, haben wir Angst vor der Zukunft. Der Islam macht uns besonders zu schaffen. Viele Jahrzehnte war er kein Problem. Der türkische Nachbar und der kurdische Arbeitskollege haben keine Anstalten gemacht, um uns umzubringen. Im Gegenteil.

Aber wir spüren im Lutherjahr so ein klein wenig Sehnsucht nach etwas, an das wir glauben können. Wenn wir es selbst nicht mehr sind, an denen wir vertrauen und auch nicht die Politiker, von denen wir Heilandsqualität erwarten, dann vielleicht wieder ein bisschen an Gott? Aus der Not heraus, weil es keine menschliche Alternative mehr gibt und um der alten, guten Ordnung willen? Warum nicht?

Donald Trump hat gerade per Dekret die Einmischung religiöser Gruppen in Wahlkampf und Politik erlaubt. Damit ist – wie in der Türkei – die strikte Trennung von Staat und Religion erst einmal aufgehoben. Auch hierzulande wünschen sich pietistische Gruppen mehr Religion und vor allem religiöse Moral im Staat. Der ehemalige Presbyterianer Trump wünscht sich - wenn schon - einen Einfluss der konservativen Glaubenskräfte. In Amerika glauben die Menschen mehr als wir und mehr als die Hälfte aller US-Bürger glaubt – wenn man den Statistiken traut - genau wortwörtlich alles das, was in der Bibel steht. Die Erde wurde in sechs Tagen erschaffen, Jesu Geburt war jungfräulich und in der Endzeit färbt sich das Wasser rot und es fällt Feuer vom Himmel.

Mehr konservative und fromme Glaubenswerte heißt aber auch, dass diejenigen die religiöse Richtung vorgeben, die nicht daran glauben, dass mit Jesus eine grundsätzlich neue Zeit angebrochen ist. Da hat das Mosaische Gesetz noch seinen Wert! Dann merken wir schnell, dass die Reinheitsgebote, an denen einige frommen Gruppen noch festhalten (ist vielleicht auch wirklich gesünder), allen Gläubigen, also auch den Christen, das Verspeisen von Schweinefleisch verbieten. Und wer die Gesetzesbücher in der Bibel bis in die Zeit Abrahams zurück studiert, der weiß, dass es in diesen Gesetzen noch das absolute Sabbatgebot und das Verbot des Ehebruchs gab. Und Verstöße werden mit Steinigung, also dem Tod, bestraft.

Wenn in einer gottlosen und unfrommen Zeit, die Frommen zu herrschen beginnen, werden es nicht die großzügigen Auslegungen sein, wie sie der Evangelische Kirchentag in der vergangenen Woche verkündet hat. Und je weniger eine Gesellschaft darauf eingeht, desto radikaler, also fundamentalistischer werden die Regeln. Das war der Weg des Islam in den letzten 30 Jahren und das wäre vielleicht auch der Weg des Christentums, wenn wir – nur um „irgendeiner“ Moral willen und um dem „Verfall“ etwas entgegenzusetzen, die säkulare Trennung auch hier beenden.

Es hat so eine Zeit im Mittelalter gegeben. Da haben sie Hexen verbrannt und Ungläubige verfolgt.

Heute ist Pfingsten. Just vor etwa 2000 Jahren, als Jesus auferstanden und gen Himmel gefahren ist, waren seine Anhänger und Jünger mutlos und fühlten sich allein gelassen. Und da kam der Heilige Geist. Aber er brachte ihnen nicht die alten Gesetzesbücher und die alte Moral zurück, sondern machte Ihnen Mut und Hoffnung und gab ihnen Ihr Selbstvertrauen zurück…

Ihr

Rainer Sander

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