DIE KOLUMNE: Liebe Wähler… Drucken E-Mail
Mittwoch, den 15. Februar 2017 um 15:06 Uhr

Rainer SanderSCHWALMSTADT. Ich versuche gerade etwas zu verstehen. In Amerika wählen Menschen einen – wie man so schön sagt - stinkreichen Unternehmer (warum stinken die eigentlich, wenn Geld doch gar nicht stinkt?), zum Präsidenten, der seine Kohle vor allem mit Stärke verdient hat. Fürsorge und Respekt haben in Trumps „You-are-fired-Menalität offensichtlich wenig Platz gehabt.

Menschen, die sich nach der Finanzkrise abgehängt fühlten und nach dem Staat rufen, wählen einen Kandidaten, der Menschen in die Regierung beruft, die die Finanzkrise mit ausgelöst haben und solche, die den Staat im Grunde abschaffen wollen? Und er hat alles vorher so versprochen!

In Deutschland wählen Menschen, die arbeitslos sind und Hartz 4 beziehen massenweise eine neue Partei, die im Parteibuch stehen hat, dass sie Hartz 4 abschaffen will und stattdessen Arbeitsdienste befürwortet. Diese Partei ist außerdem gegen die EU-Mitgliedschaft, weil Deutschland stark sein muss! Dann aber gewinnt plötzlich ein Kandidat Sympathien für eine Altpartei zurück und sorgt in Umfragen zu einer Umkehr der Wählerströme, der genau aus dieser EU kommt, sie geprägt hat, wie kaum ein anderer Deutscher und nichts Anderes will, als sie zu stärken. Das muss man erst mal verstehen. Haben wir einen Plan?

In allen Ländern Europas gibt es Menschen, die glauben möchten, dass ein Land (und seine Regierung) nur stark sein muss, dann geht es den Menschen besser. Da wo die starken Männer schon regieren, geht es den Menschen aber nicht besser. Und wo sie früher regiert haben, haben sie regelmäßig ihre oder die ganze Welt in Schutt und Asche gelegt. Wenn mehrere starke Typen aufeinandertreffen, die ihren Landsleuten versprochen haben, die stärksten zu sein, muss es immer Verlierer und Sieger geben. Wer solch ein System will, muss also auch verlieren können. Im Zweifel alles. Ein hoher Gewinn birgt immer ein hohes Risiko. Das war noch nie anders…

Wir wollen alle billige Fernseher, billige Autos, vor allem billige Smartphones und billige Jeans. Selbst unsere Weintrauben, Paprikas und Tomaten werden billig importiert. Und wir glauben, dass die Samsung, Apple, Skoda, Dacia, Toyota, Philips, Jeans und Shirts, immer noch so billig sind, wenn wir uns wieder abschotten oder alles – zu den Löhnen, die wir selbst schließlich verdienen wollen – wieder selber herstellen? Ein wunderschöner Traum…

Und überall auf der Welt sind „die da oben“ Schuld. Wir wählen aber nur die nach oben, die uns versprechen, dass alles besser wird. Wir würden nie jemanden wählen, der uns die Wahrheit sagt. Dem glauben wir nämlich nicht! Und wir würden auch diejenigen wählen, die uns alternative Wahrheiten versprechen, Hauptsache, wir können weiter träumen. Aber wie groß wird die Enttäuschung sein, wenn es auch dann nicht besser wird und wir dann wieder nur Erinnerungen an die Zeiten bemühen können, in denen alles besser war – nämlich heute…?

Ihr

Rainer Sander

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