DIE KOLUMNE: Danke Donald! Drucken E-Mail
Montag, den 23. Januar 2017 um 10:18 Uhr

Rainer SanderSCHWALMSTADT | WASHINGTON. Fast auf den Tag genau 80 Jahre nach dem ersten Donald-Duck-Film (9. Januar 1937) fesselt seit Freitag wieder ein Donald die Medien. Ich bin geneigt zu sagen „Danke Donald! Dank Ihnen finden die Medien in ihrer Berichterstattung wieder zur einer gewissen Themenvielfalt zurück.

Es könnte schließlich sein, dass es für unseren Wohlstand und unsere Sicherheit gefährlicher wird, wenn wir keine VWs, BMWs oder Mercedes, keine Maschinen, keine Medikamente und keine Lebensmittel mehr nach Amerika verkaufen können, als eine Million angereiste Flüchtlinge, die unsere Sozialkassen plündern.

Für diejenigen, die glauben, dass nicht jede Statistik „mainstreamgefälscht“ ist: Im Wert von rund 175 Milliarden Euro haben wir 2015 Waren nach Amerika verkauft und damit 55 Milliarden Euro mehr umgesetzt als die Amis im Gegenzug bei uns. Von wegen also, wir amerikanisieren uns mit eingeführten Produkten. Es ist zurzeit tatsächlich umgekehrt. Made in Germany ist „in“. Genauso ist es übrigens auch gegenüber Großbritannien, da liegt der Exportüberschuss bei 51 Milliarden Euro und wiegt in der kleineren Volkswirtschaft noch deutlich schwerer.

Wen wundert es, dass gerade Briten und Amerikaner jetzt gegen Deutschland und die EU aufbegehren? Aber hier im Lande applaudieren Links wie Rechts und freuen sich ein Loch in den Bauch, dass das Volk andernorts für die „Freiheit“ stimmt und sich dagegen wehrt, dass wir ihnen mehr verkaufen, als wir selbst dort einkaufen möchten. Und das sei logisch… Ok! Wir sollen an der Wahlurne 2017 mitklatschen und es geil finden, wenn hier die Wirtschaft zusammenbricht, weil wir für weniger EU-Bürokratie, gelegentlich umständliche Einigungsprozesse und – zugegeben nicht immer glückliche – Unterstützung andere Länder, unsere wirtschaftliche Grundlage als Exportnation mal eben auf den Mülleimer der Geschichte werfen.

Wir tun das am Ende tatsächlich, aus der tiefen Überzeugung, dass bei uns nichts vom Wohlstand ankommt. Wo auf dieser Welt kommt eigentlich gerade mehr an? Warum wählen die Menschen woanders Trumps und Mays? Weil es ihnen gefühlt besser geht als uns? Mal alle Hand hoch: wer von uns würde jetzt lieber nach Amerika, England, Spanien, in die Türkei oder nach China auswandern? Wir werden es müssen, wenn dort produziert werden muss, was wir nicht mehr verkaufen können.

Wo sind denn unsere Vorbilder? Da wo noch lauter gejammert wird als bei uns? Super! 6 Milliarden Euro Überschuss haben wir trotz Griechenland im Bund. Die verteilen wir jetzt. Das sind satte 75 Euro für Jeden! Also zwei Mal nett Essen gehen und die Welt ist für den Rest des Lebens schön!

Manchmal wünsche ich mir, dass alle Populisten weltweit 2017 alle Wahlen gewinnen. Dann heißt es, kurz die Decke über den Kopf ziehen, Donald Duck lesen, dabei herzhaft lachen und den Sturm vorübergehen lassen. Und wenn es laut genug geknallt hat, berappeln wir uns, schütteln den Quatsch ab, krempeln wie immer die Ärmel hoch und fangen wieder einmal von vorne an. So ist es schon immer gewesen und ich ahne, so könnte auch wieder passieren. Die Welt hört davon übrigens nicht auf, sich zu drehen. Also lassen wir die Trumps, Le Pens, Putins, Wilders, Erdogans, Petrys und meinetwegen auch Bagdadis erst reden und dann die Welt befreien. Jeder von ihnen befreit dann eben seine Welt. Es wird es nicht unsere sein. Vielleicht danach! Oder auch wieder nicht! Aber es geht trotzdem weiter und das war schon immer so … schön!

Ihr

Rainer Sander

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