DIE KOLUMNE: Global gesehen Drucken E-Mail
Donnerstag, den 13. Oktober 2016 um 13:00 Uhr

Rainer SanderSCHWALMSTADT. Deutschland diskutiert und streitet über CETA und TTIP. Es geht um freien Handel ohne Zoll und Einfuhrbeschränkungen zwischen Nordamerika und der EU. So genau weiß man nicht, was sich dahinter verbirgt, verhandelt wurde und wird ausschließlich hinter verschlossenen Türen und auf jeden Fall wirkt alles schrecklich nebulös.

Und wenn die Regierung dafür und viele Verbände dagegen sind, dann haben wir ein wunderbares Mysterium, das vor allem eines bewirkt: das Misstrauen in die Politik noch einmal kräftig zu erhöhen. Vermutlich zu Recht?

Ein Abkommen macht immer dann Sinn, wenn beide Seiten davon profitieren. Streng genommen möchten nordamerikanische und europäische Vertragspartner gleichermaßen als Sieger aus dem Wettkampf um den freien Handel hervorgehen. Und am Ende geht in diesem Wettstreit der Verbraucherschutz verloren und private Schiedsgerichte sollen ordentliche Gerichte im internationalen Handel überflüssig machen? Es gibt tatsächlich selten mehrere Sieger in einem Wettkampf!

Die Bemühungen der Regierungen sind nachvollziehbar, weil ein jeder für seinen Wirtschaftsraum das Optimale erreichen möchte. Wer am Ende das Rennen gewinnt, entscheiden aber vermutlich weder Lobbyisten, noch Politiker, noch Gerichte. Wer meint, die Globalisierung wirklich steuern zu können, unternimmt den lustigen Versuch, ein riesiges Sieb mit kleinen Gummistoffen abzudichten. Es bleiben am Ende doch stets mehr Löcher übrig als Dichtungen vorhanden sind. Die grenzenlose Sucht der Verbraucher nach dem billigsten Preis und die gnadenlose Gier der Produzenten nach maximalem Gewinn begegnen sich gemeinsam auf jedem möglichen Weg, ob offiziell oder inoffiziell…

Wir alle miteinander bestellen im Internet und dort wahnsinnig gerne international. Der Vertrieb sucht seine Wege, der Verbraucher findet sie. Der Zoll lässt sich oft nicht austricksen, manchmal schon und der Verbraucherschutz schon lange mit Leichtigkeit. So manches giftige Spielzeug und viele bedenkliche Nahrungsmittel aus Fernost sind auf dem deutschen Markt unterwegs, die Produktpiraterie blüht und am Ende sind CETA und TTIP vielleicht doch das kleinere Übel, im Vergleich zu einem unkontrollierbaren Handel.

Immerhin stärken beide Abkommen den Handel zwischen den Industrienationen, die wenigstens vergleichbare Standards im Verbraucherschutz anwenden, wenn auch nicht die gleichen. Es ist vielleicht besser zukünftig die Energie auf einen höheren Verbraucherschutz zu konzentrieren, anstatt das ganze Projekt scheitern zu lassen. Und wer bewusst einkauft und Qualität sucht, der wird sie auch finden. Ein bisschen dürfen wir Verbraucher auch zukünftig mitdenken! Es ändert sich vermutlich wenig, weil es auch jetzt schon gravierende Unterschiede gibt – trotz Verbraucherschutz…

Ihr

Rainer Sander

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