DIE KOLUMNE: Kandidaten Drucken E-Mail
Dienstag, den 27. September 2016 um 18:21 Uhr

Rainer SanderSCHWALMSTADT. Ich lese gerne Kommentare! Also nicht so etwas hier von der Lügenpresse, sondern die echten, die wahren Kommentare in den Kästchen unter den Artikeln, von denjenigen, die das Volk sind. Die erklären nämlich die Welt! Die wahre Welt, die uns sonst verborgen bleibt. Bei Facebook und in den Kommentarkästchen in den Online-Portalen werden die Probleme dieser Welt gelöst. Mit links! Oder immer häufiger mit rechts…

Nach den letzten Wahlen habe ich dort zum Beispiel einerseits gelesen: „Eigentlich arm, dass es keine besseren Politiker gibt“, und andererseits: „Die machen sich doch nur die eigenen Taschen voll!“ Ja, was denn nun? Es gibt keine guten Volksvertreter, aber ohne blasse Ahnung fett Kohle scheffeln mit Unterstützung des Wahlvolkes? Das ist doch voll geil! Da drängt sich ganz unweigerlich die Frage auf, warum die unzähligen (Maul-) Helden aus den Kommentarkästchen, die alle Probleme mit leichter Hand lösen würden, nicht Schlange stehen vor den Büros der Wahlleiter, um sich als Kandidaten aufstellen zu lassen? Es ist so einfach: Zukünftig immer ein dickes Portemonnaie und man muss dafür nicht mal was drauf haben! Ein Traum!

Für alle, die jetzt unweigerlich Lust und Laune bekommen: Als Bürgermeister-, Stadtverordneten-, Gemeindevertreter-  oder Kreistags-Kandidat brauchen Sie gerade mal doppelt so viele Unterstützungsunterschriften, wie das jeweilige Parlament Mitglieder hat. In einer mittleren Gemeinde hat die Gemeindevertretung etwa 31 Sitze. Also reichen 62 Unterschriften. So viele Leute kennen Sie? Klar, das Volk kennt sich untereinander. Manchmal reichen sogar weniger! Um als Kandidat zum Deutschen Bundestag als parteiloser Einzelbewerber auf den Wahlzettel zu kommen, braucht man 200 Unterschriften und muss imstande sein, den Wahlvorschlag auszufüllen. Das war‘s!

Man kann auch einer Partei beitreten und muss nur einmal auf dem Listenparteitag laut und deutlich sagen: „Ich kandidiere!“ Wenn die Parteimitglieder Ihnen glauben und Sie auf die Liste wählen, ist die Kandidatur schon gesichert! Wenn das Wahlvolk von Ihren Fähigkeiten auch überzeugt ist, steht einem schönen Leben in Saus und Braus an den Schaltstellen der Macht und dem dauerhaften Machterhalt nichts mehr im Wege! Und Sie wären ja ein ehrlicher Politiker!

Ein bisschen sollte man natürlich schauen, für was man kandidiert. In kleinen Gemeinden gibt es für einen Gemeindevertreter vielleicht nur 200 Euro Aufwandsentschädigung im Jahr. Immerhin jedes Jahr… Da muss man die dicke Geldbörse schon richtig gut festhalten.

Die Sache hat im Grunde nur einen Haken: Wenn es klappt mit dem Amt oder Job, bleiben allerdings die „Kommentatoren“. Nur kommentieren sie dann nicht irgendwen, sondern ab sofort „Sie“! Doch wer aus eigener Erfahrung weiß, dass das womöglich meistens nichts als leere Phrasen von Maulhelden und anonymen Feiglinge sind, kann damit locker umgehen. Und außerdem ist alles doch sowieso nur Lügenpresse! Auf geht’s: Wahlvorschlag ausfüllen, einreichen, Plakat basteln, Tapetenkleister anrühren und raus damit! Nie war Geld verdienen leichter! Und wir von der Lügenpresse freuen uns, Sie mit allen Ihren Fähigkeiten vorzustellen! Versprochen!

Ihr

Rainer Sander

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