DIE KOLUMNE: Kirmes adieu Drucken E-Mail
Freitag, den 16. September 2016 um 09:21 Uhr

©Archivfoto: nh24 | Wittke-FotosSCHWALMSTADT | BORKEN. Der Sommer ist vorbei und damit endet die Kirmes-Saison. Zeit für ein Resümee? Wer älter ist als 25 erinnert sich an viele Volksfeste. Ob Kirmes, Schützenfest, Heimatfest, Viehmarkt oder Pferdemarkt, ein Jahr Vorfreude wurde stets mit einem tollen Fest belohnt.

Tanzen, Biertrinken, Rummelplatz, das waren die drei Elemente, die eine schöne Kirmes ausmachten. Einst waren es nur die großen Volksfeste, dann kamen die vielen Dorfkirmessen dazu. Immer mehr, jede Woche was los.

Wir wollten sehen und gesehen werden, wissen, ob’s mit der Traumfrau oder dem Traumtyp endlich was wird. Wir wollten Geschichten hören, Erlebnisse erzählen, Lebensweisheiten zum Besten geben oder hören, den eigenen „Marktwert“ ermitteln, Freunde treffen, viel Tanzen und mit der Zigarette in der Hand Bier trinken. Wir wollten in der Raupe bei voller Fahrt – auch rückwärts - knutschen, Riesenrad und Achterbahn fahren. Wir wollten außerdem wissen, wer jetzt welches Auto fährt, erfahren wer sich getrennt hat, wer eine neue Flamme hat, wer in neuen Jobs arbeitet und wer krank ist. Das alles war aufregend und anregend genug und hat uns aus dem Haus getrieben, sogar um auch noch die Nachbarkirmessen zu besuchen…

Heute rufen wir Facebook auf um alles über Beziehungen und die neuesten Geschichten zu lesen. Das neueste gibt es alle paar Minuten bei WhatsApp. Wir lesen bei StayFriends, was unsere alten Schulkameraden heute alles treiben. Wir streamen Musik, wobei selbst Werbeeinblendungen nicht stören. Und wir erfahren online, wer mit wem, wer ohne wen, wer sucht und wer neu in der Stadt ist. Wir treffen unsere Klassenkameraden von früher ohne aus dem Haus zu gehen oder Besuch zu empfangen. Wir flirten online, beenden Beziehungen per SMS und wenn wir Abenteuer wollen, gibt es Online-Spiele und Nervenkitzel in den großen Freizeitparks.

Tausende auf traditionellen Volksfesten? Die Zeiten sind vorbei. Dafür finden Party-Events statt, die Apres-Ski-Party ist auch im Sommer geil, Live-Konzerte dürfen teuer und weit weg sein. Holy-Festivals laufen, Just White Partys, große Stadtfeste mit vielen Bühnen und Fahrgeschäften. Wir lieben Hessentage, Weinfeste, Kneipenfestivals, Rundfunk-Live-Partys oder Schlager-Festivals: Alles aufregender als eine Kirmes, Schützenfest, Heimatfest oder Pferde- und Viehmarkt.

In Borken ist das Heimatfest gestorben, das dafür stattfindende Stadtfest sucht noch seine Identität. In Homberg/Efze ist es ähnlich, in Gudensberg ist der Viehmarkt geschrumpft, Stadtfeste werden kleiner und in der kirmesreichen Schwalm, findet - mangels Gästen - die einst große und traditionsreiche Hutzelkirmes nicht mehr statt. Auf den kleinen Festen fehlen die Rummelplätze, weil die Fahrgeschäfte immer aufregender werden, aber nicht mehr auf eine Kleinstadtkirmes passen und dort auch nicht ihr Geld verdienen. Die GEMA-Verteuerung macht es kleinen Städten unmöglich Bühnen zu stellen und große Zelte zu beschallen.

Sehnsüchtiges Wehklagen all überall: früher war alles besser…

Ihr

Rainer Sander

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