DIE KOLUMNE: Statistische Zusammenhänge Drucken E-Mail
Donnerstag, den 17. März 2016 um 18:04 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Die Arbeitswelt wird immer perfekter. Das Qualitätsmanagement sorgt messbar für Fehler- und Ausschussminimierung, die Produktionsabläufe sind optimiert bis zur Perfektion, der Arbeitsschutz reduziert alles, was gefährlich ist und krank macht gegen Null. Schwere Arbeit erledigen Maschinen, unsere Manager aber auch Handwerksmeister und Chefs kleiner Betriebe werden in Mitarbeiterführung geschult, besuchen Motivationsseminare und der Kündigungsschutz ist auf einem Niveau, das eine betriebsbedingte Kündigung ohne finanziellen Ausgleich fast unmöglich macht. In Zeugnissen darf nichts Negatives stehen, jedenfalls nichts, was das berufliche Weiterkommen gefährdet. Eigentlich ist unsere Arbeitswelt so kuschelig und menschenfreundlich wie noch nie oder…?

Wenn es da nicht diese Statistiken gäbe. Bundesministerium für Arbeit hat deutsche Arbeitnehmer befragt. Nur jeder Fünfte ist mit seinem Job vorbehaltlos zufrieden. Vier von fünf sind es nicht und fast 50 Prozent sehen ihre Arbeitswirklichkeit weit entfernt vom Idealzustand. Gleichzeitig ist der Krankenstand so hoch, wie seit 16 Jahren nicht mehr, also in Zeiten, als es noch keinen Mindestlohn, weniger kooperativen Führungsstil und weniger Kündigungsschutz oder Arbeitssicherheit gab – sagt die DAK anhand ihrer Krankenstatistiken.

Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote so niedrig wie noch nie in den letzten beiden Jahrzehnten und Fachkräfte sind umworben, weil sie in teilweise dramatischer Weise bereits fehlen. Beste Voraussetzungen also für Betriebe, um ein gutes Arbeitsklima zu schaffen?

Irgendwie scheint das alles nicht so zu funktionieren. Sind die modernen Management- und Mitarbeiterführungstechniken nicht authentisch genug? Mehr Schein als Sein? Sorgen wir mit unserem ständig wachsenden Anspruch an perfekte Qualität bei gleichzeitig sinkenden Verbraucherpreisen dafür, dass beständig auf Arbeitnehmer – also auch auf uns selbst – der Druck wächst, fehlerfrei und mit größtmöglicher Produktivität zu arbeiten? Mit vernichtenden Bewertungen im Internet können wir jedes Produkt und jede Arbeit gnadenlos niederschreiben, ohne daran zu denken, dass es andere mit unserer eigenen Arbeit genauso tun. Fehler im Job sind längst unverzeihlich geworden und es ist gerade der Anteil an psychischen Belastungen, der die Menschen mehr krank macht als früher.

Stück für Stück verschwinden die Schonräume, unsere Arbeit ist in fast jedem Moment überprüfbar und sichtbar. Bei Kraftfahrern wird es am deutlichsten, denn mit GPS sind jeder Meter und jede Sekunde nachvollziehbar. Vorbei ist es mit den Nischen und davon wird es zukünftig noch viel weniger geben.

Gleichzeitig stürzen wir uns in einen kollektiven Kaufrausch, die Konsumausgaben lagen in der Bundesrepublik noch nie so hoch wie heute. Aus leeren Portemonnaies scheint die schlechte Stimmung wenigstens nicht zu resultieren…

Ihr

Rainer Sander

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