DIE KOLUMNE: Glück Drucken E-Mail
Donnerstag, den 26. November 2015 um 20:14 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Deutschland ist glücklicher geworden. Auf einer Skala von eins bis zehn notiert der Glücksfaktor in Deutschland jetzt über sieben. Das heißt, unser kollektives Glücksgefühl liegt über zwei Dritteln der Möglichkeiten.

Angesichts dessen, dass wir seit mehr als fünf Jahren schon „gefühlt“ jeden Spargroschen nach Griechenland überweisen und die Hälfte unserer Turnhallen sowie zukünftig viele Arbeitsplätze an Asylbewerber abtreten müssen, ein doch erstaunlicher Wert.

Obwohl das Jammern zunimmt, es uns gefühlt stets schlechter geht - wenngleich der deutsche Konsum mal wieder wächst und die Kauflaune tatsächlich die deutsche Wirtschaft stützt: wenn man uns anonym fragt, behaupten wir tatsächlich, dass wir glücklich sind. Wow! In sozialen Netzwerken oder öffentlich vor laufender Kamera gefragt, können wir das hingegen auf keinen Fall zu geben. Dann geht es uns grottenschlecht, haben wir panische Angst und das ganze Jahr über Herbstdepressionen.

Erstaunlich ist übrigens, dass die Deutsche Post die Umfrage über das Glücklichsein in Deutschland in Auftrag gegeben hat und genau im Moment des höchsten Glücksgefühls der Nation das Porto auf Standardbriefe um mehr als 10 Prozent erhöht. Das hat doch mal System! Wir stecken das – wie jede andere schlechte Nachricht im Moment locker weg.

In den letzten internationalen Vergleichen rangiert der Glücklichkeitsfaktor Deutschlands allerdings immer noch deutlich hinter Ländern mit weit höherem Armutsfaktor. Dass Geld nicht glücklich macht, haben uns unsere Großeltern bereits erzählt, die es wissen müssen, denn sie hatten weniger. Die meisten von ihnen jedenfalls.

International beweisen Statistiken also, dass Armut nicht vor Glück schützt und deshalb fliehen womöglich auch nicht alle armen Menschen auf dieser Welt nach Deutschland. Warum auch, es will ja niemand unglücklicher werden. Eigentlich belegen diese Zahlen nur eines: die Frage nach dem Glück hat nicht die Bohne mit wirtschaftlichen Umständen oder sozialen Herausforderungen zu tun. Es hängt viel mehr zusammen mit dem Gefühl gut aufgehoben zu sein und sich wenig Sorgen machen zu müssen.

Wenn die deutsche Politik der größtmöglichen Koalition, die verbesserte Streitkultur sowie die signalisierte Menschlichkeit tatsächlich zu dieser aktuell positiveren Grundstimmung beitragen, dann sind die Zeiten gar nicht so schlecht, wie wir sie am liebsten sehen möchten. Gefühlt sind wir glücklicher geworden und so kurz vor Weihnachten ist das tatsächlich eine schöne Nachricht.

Ihr

Rainer Sander

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