DIE KOLUMNE: Schuld und Angst Drucken E-Mail
Freitag, den 20. November 2015 um 17:28 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Die Nation hat Angst. In Paris zünden Sprengkörper, fliegen Selbstmordattentäter in die Luft und es wird geschossen. An Konflikten völlig unbeteiligte Menschen, die am Leben Freude haben möchten, werden in den Tod gerissen. Atheisten, Christen und ganz sicher auch Moslems sterben dabei wahllos.

In Deutschland wird ein Fußballspiel abgesagt, der Terror ist bei uns zu Hause angekommen. Und immer häufiger hören wir den Satz: „ich habe Angst!“

Wir sind entsetzt! Aber mit regelrechter Freude werden die Opfer in Paris von der ersten Minute an auch instrumentalisiert und missbraucht. Boulevard-Magazine im TV und am Zeitungskiosk dramatisieren sofort und aus jeder polizeilichen Untersuchung – wie sie im Stillen jeden Tag geschieht – wird jetzt ein Terroreinsatz, quasi vor der Haustür. Gegner der Einwanderung machen aus jedem Flüchtling einen Terroristen und die Terroristen selbst verhöhnen ihre Opfer.

Mord bleibt Mord, die Flüchtlinge fliehen überwiegend vor denselben Terroristen, die jetzt nach Europa kommen und Schlagzeilen ergeben sich normalerweise von alleine und müssen nicht erfunden werden! Und bei aller Hinterhältigkeit sowie Brutalität, Europa liegt nicht – wie Syrien – in Schutt und Asche, Krieg ist anders! Aber das Kalkül geht auf, Europa fühlt sich wie mitten im Konflikt. Das war die Absicht der Täter und insofern haben sie Erfolg – leider…

Rache wird verkündet, Staatspräsident Hollande verspricht den Selbstmordattentätern Strafe! Das ist etwa so, als würde man einem Alkoholiker „zur Strafe“ Alkohol androhen. Wer so wenig Selbstwertgefühl besitzt, dass er sein eigenes Leben ohnehin schon irgendwelchen Fanatikern unterordnet und es damit im Grunde beendet hat, den wird Vergeltung am wenigsten treffen.

Es ist Weihnachten und was Weihnachten immer funktioniert, das sind Schuldgefühle und die klappen nicht ohne Schuldzuweisungen. Egal in welcher Religion oder ohne Religion, wir brauchen stets einen Schuldigen. Das Prinzip funktioniert immer, Täter und Opfer werden dabei sehr gerne vertauscht. Wer immer Interesse daran hat, den Westen und Amerika zu diffamieren, erklärt die westlichen Regierungen zu Schuldigen, weil sie im Nahen Osten immer wieder jemanden unterstützen und all das nur des Öls wegen. Für mich bleibt ein Täter trotzdem ein Täter, ganz gleich wie schwer seine Kindheit war. Jeder entscheidet selbst, was er tut und trägt die Verantwortung…

Umgebracht haben sich Sunniten und Schiiten, Moslems und Juden und andere im Nahen Osten übrigens schon seit Jahrhunderten. Dafür waren wir nicht nötig. Aber es stimmt, ohne Öl und Petro-Dollars wären wir Zuschauer aus der Ferne und nicht involviert.

Ich frage mich allerdings immer, wie ich auf eine Regierung reagiert hätte, die mir erzählt hätte, dass wir jetzt kein Geld mehr für Öl zahlen und das mit dem Öl eigentlich auch gar nicht mehr wollen. Satteln wir im wahrsten Sinne des Wortes um und kaufen wieder Pferde statt Autos, bauen Kohlenkeller statt Öltanks? Wir hätten solche Regierungen nicht gewählt! Mit der Energiewende und Verzicht auf das Öl hätten wir heute aber eine reale Chance, entstandene Abhängigkeiten zu beenden…

Ihr

Rainer Sander

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