DIE KOLUMNE: Nachrichtenlage Drucken E-Mail
Freitag, den 13. November 2015 um 18:04 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Ein zweites Fairphone kommt auf den Markt, das erste Handy, bei dem der Kunde sogar die Herstellungskosten erfährt und dass man reparieren kann, also nicht bei Defekten wegwerfen muss, weil sich die Reparatur nicht lohnt. Bei der Lufthansa wird gestreikt, Hunderte von Flügen fallen aus. Vor Jahren noch ein großes Thema, das die Medien bewegt hat.

Im bayerischen Wahlkampf straucheln die Freien Wähler wegen Abgeordneten, die sich Vorteile verschafft haben. Normalerweise ein Top-Thema. TTIP und CETA beschäftigen die EU immer noch, aber selbst wenn 3.000.000 Unterschriften dagegen übergeben werden, ist das zurzeit keine Schlagzeile wert.

Die HypoVereinsbank und ihre italienische Mutter Unicredit kriseln, 1000 Jobs fallen weg. Die Eigenkapitaldecke ist zu gering. Auch die Deutsche Bank ergreift Sparmaßnahmen. Gleichzeitig stolpert in Portugal die Regierung über ihren Sparkurs und Griechenland bricht mal wieder ein paar Regeln, weshalb 2.000.000 Euro auf Eis gelegt werden. Daran, dass diese Meldungen nicht auf den Titelseiten stehen, kann man erkennen, dass etwas Größeres die Nachrichtenlage beherrscht.

Die Karnevals-Session hat am Mittwoch begonnen, Prinzen werden inthronisiert, Prinzenstraßen umbenannt und erste Veranstaltungen finden statt. Offensichtlich schaffen es aber nicht einmal Humor und Spaß als Nachricht ernst genommen zu werden.

Gleichgeschaltete Presse? Lügenpresse? Haben sich alle verabredet, um die Themen klein zu halten? Hat die Politik gar die Flüchtlinge ins Land gelassen, um in aller Stille Projekte durchzuziehen und Probleme zu kaschieren? Auch solche Verschwörungstheorien begeistern bereits durchs Internet.

Tatsächlich interessiert’s grad‘ keine Sau, was sonst so in der Welt los ist. Das Flüchtlingsthema dominiert und wenn es dominiert, dann richtig. Die Nachrichten sind alle zu lesen, aber niemand tut es mehr. Einschaltquoten und Klicks im Internet offenbaren die Interessenlage von Lesern und Verbrauchern und die ist eindeutig. Selbst der Tod von Altkanzler Helmut Schmidt dringt nur halbherzig durch.

Wir brauchen alle immer ein bisschen Angst. Die Tatsache, dass der – bis zu seiner Krise – größte Autobauer der Welt (VW) von existenzbedrohenden Schwierigkeiten regelrecht umklammert wird und damit Deutschlands Schlüsselbranche ins Wanken bringen könnte, wenn er tatsächlich stolpert, würde für diese „Grundangst“ normalerweise allein ausreichen. Tatsächlich gehen wir damit erstaunlich sachlich und nüchtern um. Aber die Angst vor den Fremden, die ins Ausland strömen ist zurzeit realer als die echten, substantiellen Bedrohungen unserer Volkswirtschaft…

Ihr

Rainer Sander

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