DIE KOLUMNE: Kulturstadt Drucken E-Mail
Samstag, den 07. November 2015 um 09:03 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Da Capo Kulturstadt? Im Jahr 2010 mussten sich Nordhessen und Kassel der Ruhrgebiets-Region und der Stadt Essen beugen, als es um den deutschen Vertreter als Kulturhauptstadt Europas ging. Jetzt kommt der zweite Anlauf für 2025? Populär macht allein die Bewerbung und sie bringt Schwung in das Gemeinwesen.

So ist zumindest die Hoffnung von vielen urbanen Kommunen. Jährlich sind zwei EU-Städte und zusätzlich gelegentlich Städte aus Bewerberländern und Nicht-EU-Staaten die Repräsentanten europäischer Kultur.

Wer meint, dass eine Kunstausstellung wie die documenta und eine Museumslandschaft, die ihresgleichen sucht ausreicht, um aus der Bewerbung einen Selbstläufer zu machen, hat 2010 gesehen, wie der Hase läuft. Es geht nicht vordergründig um Museen und Ausstellungen, sondern um die „Kultur der Kultur“. Gemeint ist die Kultur des Zusammenlebens, die Kultur der Menschen in der Region und am Ende natürlich auch die Kunst. Also so ein bisschen muss man Kultur schon verinnerlicht haben und sie leben…

Nürnberg, Dresden und Leipzig gehören zu den bereits bekannten Mitbewerbern für den Titel 2025. Erfahrungsgemäß kommt aus fast jedem Bundesland am Ende ein Interessent. Wer sich bewirbt, muss davon ausgehen, von ausländischen Besuchern regelrecht überrannt zu werden, was man in Kassel durch die documenta durchaus gewohnt ist. Während Nürnberg international eindrucksvoll zeigen könnte, dass die Stadt nichts mehr mit den Reichsparteitagen und ihrer zweifelhaften Kultur gemeinsam hat, dürften Dresden und Leipzig in der Bewerbungsphase ein mittelschweres Problem haben:

Dort wird gerade die deutsche Kultur am intensivsten gegen äußere Einflüsse verteidigt. Ich wäre auf die internationale Presse gespannt, wenn zwischen den Kulturstadt-Besuchern aus ganz Europa jeden Montag ein paar Tausend „ängstliche“ Bürger mit Transparenten durch die Innenstadt patrouillieren, gegen Überfremdung demonstrieren und ein türkischstämmiger Autor öffentlich – unter Applaus von Tausenden – bedauert, dass die KZs außer Betrieb sind…

Wenn Kassel Kulturhauptstadt wird, wird es die ganze Region. Der zweite Anlauf könnte tatsächlich erfolgreicher sein, wenn Stadt und Umland sich europäisch offen zeigen und beweisen, dass sie auch eine Kultur des Wandels beherrschen. Denn noch nie ist auf dieser Erde irgendwo immer alles geblieben, wie es war – von ein paar Eingeborenen-Stämmen am Amazonas, im indonesischen Busch oder im Zentrum Afrikas abgesehen. Wer sich abschottet und das dauerhaft tut, lebt irgendwann tatsächlich „im Busch“ und wird ganz sicher auch nicht Kulturhauptstadt Europas. Eigentlich beste Voraussetzungen für die Boom-Region Nordhessen, die vom Zonengrenz-Bezirk in die Mitte Europas gerückt ist.

Ihr

Rainer Sander

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