DIE KOLUMNE: Sie würden… Drucken E-Mail
Donnerstag, den 15. Oktober 2015 um 17:31 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Ein komisches Gefühl, wenn Menschen, die man gut kennt, die man mag, mit denen einen so etwas wie Freundschaft verbindet, für die man schon mal gerne etwas gemacht hat und die einem selbst bereits geholfen haben, plötzlich voller Hass und Zorn Texte gegen Flüchtlinge bei Facebook posten, oder?

Dazu liken oder teilen sie Nachrichten, bei denen man bereits an der Quelle, am Schreibstil und an der Wortwahl erkennt, dass sie so nicht stimmen werden. Aber die Mainstreampresse lügt...

Es macht Sorge, wenn sie Artikel und Texte teilen, in denen zornige Menschen erklären, dass sie jetzt das Gesetz – welches auch immer sie meinen (?) - selbst in die Hand nehmen werden und es sorgt für Scham, wenn sie nicht nur andere sprechen lassen, sondern gleich selbst verkünden, dass sie Flüchtlinge am liebsten zurück ins Meer werfen würden.

„Ich bin kein Nazi“, erklären sie in vielen Sätzen, aber sie sagen dann genau dass, was Nazis immer sagen, mit der gleichen diffusen Wut und sie verkünden – wie die Nazis – sie hätten das Recht dazu, weil sie die Kultur und die Nation schützen. Welche Kultur eigentlich? Die christliche? Also die Religion, die Nächstenliebe verkündet und nach der alle Menschen vor Gott gleich sind? Oder die Kultur der Statussymbole, in der wir Öl aus Arabien für Autos aus Korea importieren, die mit Navis aus Taiwan steuern? Die, in der wir aus Fernsehern aus Japan und Computern aus China die neuesten Nachrichten beziehen? In der wir Hosen, Blusen und Hemden aus Indien oder Afrika tragen? In der wir Grüne Bohnen aus Kenia, Bananen aus Südamerika oder Kiwis aus Neuseeland auf dem Speisezettel haben? Oder hat einer von denen, die da die Kultur verteidigen, Goethe und Schiller gelesen und fürchtet um die Präsenz der Dichter und Denker…?

Dann denke ich immer - weil ich diese Menschen doch gut kenne -, dass sie Bekannten und Freunden nichts tun würden, wenn sie einem Flüchtling Schutz gewähren, ihm gar eine Unterkunft vermieten würde. Oder?

Würden sie? Doch, sie würden, sie würden auch jedes Haus anzünden, selbst wenn sie die Eigentümer Duzen! Es ist eine Stimmung entstanden, in der man unter Beifall sagen kann, das gute Recht zu haben, Ausländerfeind zu sein, weil die Ausländer selbst Feinde sind. Das alte Prinzip des Nationalsozialismus: man erklärt eine Bevölkerung (sgruppe) zum Feind und darf sie dann als „Schuldige“ bekämpfen. Selbstjustiz ist in, man zündet Häuser an und riskiert damit Menschenleben – selbst wenn es „nur“ das Leben der Feuerwehrleute und gar nicht der Ausländer ist. Und man kennt dann auch keine Freunde mehr.

In ähnlicher Stimmung haben Menschen in den 90er Jahren im ehemaligen Jugoslawien plötzlich auf Nachbarn, Freunde und Verwandte geschossen, mit denen sie kurz vorher noch am selben Arbeitsplatz gestanden, gemeinsam Wein getrunken, die selbe Familienfeier besucht und vielleicht gegenseitig ihre Kinder in die Schule gefahren haben…

Ihr

Rainer Sander

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