DIE KOLUMNE: Langer Atem Drucken E-Mail
Donnerstag, den 08. Oktober 2015 um 17:10 Uhr

Rainer Sander Schwalmstadt. Mit Staunen registriert die Welt, wie der Fußball auf dem Globus funktioniert. Scheinbar war es schon immer so, dass das Geld darüber entschieden hat, wo das Leder rollt.

Hier, wo wir artig versuchen unsere Gesetze einzuhalten, Minister und Bundespräsidenten schon dann aus dem Amt jagen, wenn nur der Verdacht besteht, dass sich selbst einen Vorteil „erkauft“ oder Dritten einen solchen „verkauft“ haben, erscheint die FIFA wie eine riesige Geldmaschine.

Auf der einen Seite gibt es Staaten, wie Katar oder Russland, deren Image nach einer großen Veranstaltung lechzt und auf der anderen Seite gibt es Funktionäre aus den Fußballverbänden, deren Bankkonten nach großen Geld lechzt. Und das passt ja dann ganz gut zusammen…

Wir in Deutschland sind es gewohnt, dass Medien und Justiz ganz ordentlich aufräumen, wenn irgendwo im Land ein Skandal passiert. Und aus dieser Perspektive erschienen die Kritiker und vor allem die potentiellen Retter wie Platini wie Helden, die gegen ein korruptes System kämpfen. Am Ende siegt das Gute und die Welt ist wieder schön.

Vielleicht schöner, aber nicht besser? Je tiefer manche Graben, desto mehr Betroffene werden ausgebuddelt. Auch ein Michel Platini hat wohl schon einmal die Hand aufgehalten und der zählt zu den mächtigen Männern der UEFA, die am kritischsten mit dem Weltverband umgeht. Ist es da am Ende nicht besser? Nun könnte man meinen, wenn dem großen Fußball das Geld ausgeht, weil die Sponsoren abspringen, dann wird endlich alles gut!

Und tatsächlich, in einer scheinbar konzertierten Aktion haben die vier großen US-Sponsoren Coca-Cola, McDonald's, VISA und Anheuser-Busch (Budweiser) in Statements den Abschied Blatters „angeregt“. Ein Novum in der Fußball Geschichte. Ohne Moos nichts los? Das große Geld zu verweigern, haben sich Coca-Cola & Co allerdings dann doch nicht getraut – schließlich ist die FIFA einer ihrer größten Werbeträger. Und deutsche Firmen wie Adidas fordern sowieso keinen Blatter-Rücktritt. Vom Autoriesen Hyundai/Kia aus Südkorea gibt es „derzeit keinen Kommentar zu Sepp Blatter oder dem derzeitigen Status des Sponsorships“ und dass der russische Energiekonzern Gazprom auch nur einen Hauch von Kritik an der FIFA äußert, ist wegen der eng gestrickten Verpflichtungen zwischen der russischen WM-Organisation und Blatter logischerweise undenkbar.

Es scheint so, als könne man korrupte Funktionäre nur durch korrupte Funktionäre ersetzen? Es gibt einfach keine anderen? Wenn das die Wahrheit ist, dann können wir aber auch alles so lassen, wie es jetzt ist, freuen uns auf die nächste WM oder EM und hoffen, dass wenigstens Spiele und Titel nicht auch noch erkauft oder verkauft wurden. Sicher sein können wir dabei wohl kaum. Hauptsache die Fußball-Welt ist schön!

Ihr

Rainer Sander

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