DIE KOLUMNE: Alt aussehen Drucken E-Mail
Donnerstag, den 24. September 2015 um 17:04 Uhr

©Archivfoto: nh24 | dapdSchwalmstadt | Wolfsburg. Eigentlich war es für uns als Autofahrer immer leicht festzustellen, dass die Kraftstoffverbrauchswerte aus den Datenblättern unserer Kraftfahrzeuge nicht immer – eigentlich nie – mit der Wirklichkeit korrespondieren. Irgendwie verbrauchen Autos stets immer mehr als im Test, aber niemand weiß, wie viel mehr.

Die Hersteller erklären allesamt – weltweit – artig, dass es an den gesetzlich vorgeschriebenen Testverfahren liegt und außerdem der individuelle Fahrstil entscheidet! Ein physikalischer Zusammenhang sollte jedoch immer klar gewesen sein: mehr Kraftstoff heißt auch mehr Schadstoff.

Mit dieser „Lebenslüge der Automobilwirtschaft“ leben wir seit Jahrzehnten und weder Politik, noch Umweltschutz, noch Verbraucherschutz fanden das irgendwie verbesserungswürdig. Nicht nur in Deutschland, nirgends auf der Welt. Jetzt muss aber irgendjemandem in den USA eine Laus über die Leber gelaufen sein. Und er hat – was nahe liegt – an einem ausländischen Automobilbauer, der sich beispielsweise mit Klagen gegen Gesetze und Verordnungen in Amerika, auf der politischen Beliebtheitsskala nicht gerade nach oben gearbeitet hat, ein Exempel statuiert. Nun ist es erst einmal völlig egal, ob es alle anderen auch so oder so ähnlich, ein bisschen so oder schlimmer oder doch nicht so gehandhabt haben. Auch ein Diebstahl wird schließlich nicht legaler, wenn andere auch geklaut haben.

Bei Volkswagen wehen die Fahnen auf Halbmast. Aber es scheint jemand sehr gründlich Bescheid zu wissen, denn VW hat nicht dementiert, nicht mit Gutachten und Gegengutachten reagiert, nicht geleugnet und abgestritten bis das Verfahren beendet ist, sondern alles zugegeben und den wohl teuersten Anwalt Amerikas engagiert. Kapitulation! Und was haben wir als „artige“ Bürger damit zu tun, außer dass wir wissen, was wir ahnten? Vermutlich eine ganze Menge:

Die Spekulationen gehen von Strafen und Schadenersatz allein in Amerika in Höhe von mehr als 10 Milliarden Euro aus. Und andere Finanzminister – auf der ganzen Welt – würden auch gerne ihre Kassen füllen. Da geht bestimmt noch mehr, von 40 Milliarden ist in Hochrechnungen schon die Rede, ein Großteil des Eigenkapitals und der Gewinn für mehrere Jahre bei VW im Eimer? In Baunatal steht das zweitgrößte Volkswagenwerk und die Gewerbesteuereinnahmen sind nicht nur dort auf Jahre fest eingeplant. Genau die könnten aber über viele Jahre durch Verlustvorträge wegfallen. Bereits durch die Rückstellung in Höhe von 6,5 Milliarden Euro dürfte ein Rückzahlungsanspruch auf Steuervorauszahlungen entstehen. Auch die Länder Finanzminister werden die ausbleibende Körperschaftsteuer von Volkswagen schmerzlich vermissen.

In der Energiewende drängen sich alternative Antriebe vom Elektromotor bis zur Brennstoffzelle immer mehr auf. Tesla wird nächstes Jahr mit einem „Alltags-Auto“ kommen, Apple und Google haben Fahrzeuge angekündigt, Samsung steht hinter diesen beiden nie zurück und chinesische Autobauer sind ohnehin bereits weiter bei dieser Technologie. Ein Konzern, der genau in dieser Situation wieder Geld für Forschung noch für neue Produktionseinrichtungen locker machen kann, dürfte in Zeiten des technologischen Wandels in der Tat „alt aussehen“.

Ihr

Rainer Sander

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