DIE KOLUMNE: Im Kindergarten Drucken E-Mail
Freitag, den 21. August 2015 um 10:06 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Wochenlang kamen unsere Kinder in den Kindertagesstätten ohne Betreuung aus, weil die zahlreichen Erzieherinnen und die wenigen Erzieher für mehr Gehalt streikten. Für viele Kinder und Eltern, die auf zwei Einkommen angewiesen sind, eine echte Herausforderung, wenn Oma und Opa nicht in der Nähe wohnen und ein bisschen Urlaub für die Familie im Sommer übrig bleiben sollte. Mal so richtig spüren sollten es die geizigen Kommunen und Eltern, was es heißt, wenn der Kindergarten ausfällt.

Das hat funktioniert, nach der Schlichtung kam die Einigung auf mehr Geld. Jetzt haben Schlichter und Verhandler auf beiden Seiten umsonst getagt, die breite Gewerkschaft-Basis der Kindergarten-Erzieherinnen und Erzieher hat abgelehnt und will weiter streiken. Nicht 2,5 Prozent, nein 10 Prozent sind das Ziel! Und es geht eigentlich nicht nur um das Gehalt, sondern um Aufwertung und Anerkennung des Berufsstandes und der Qualität.

Ab jetzt wird es heikel. Mit Zähneknirschen und Bauchschmerzen hat fast jeder den Streik bisher noch verstanden und irgendwie weggesteckt. Ein Streik um Anerkennung und um 10 Prozent mehr in der Lohntüte dürfte die Toleranzschwelle überschreiten. Das bedeutet definitiv auch höhere Elternbeiträge, denn was viele nicht beachten ist, dass die Eltern bisher – je nach Kommune zwischen 10 und 20 % der tatsächlichen Kosten über ihre Beiträge zahlen, die Kommunen aber durchweg bereits an der Schmerzgrenze arbeiten.

Gerade im sozialen Bereich dürften sich jetzt vor allem viele Berufsgruppen von der ambulanten Pflege über die Krankenhäuser, die Altenheime und Behinderteneinrichtungen angespornt fühlen, auch um eine Aufwertung ihrer Jobs und deutlich mehr Gehalt zu kämpfen. Wer will schon im Vergleich zu den Kindergärten ins Hintertreffen geraten, denn in diesen Einrichtungen verdienen Mitarbeiter bereits jetzt teilweise deutlich weniger, als ihre Kolleginnen und Kollegen in den Kindertagesstätten.

Und wer mit Qualität argumentiert, der wird im sozialen Bereich irgendwann auch seine eigene Qualifikation infrage stellen müssen. Sprechen wir dann über eine Sozialpädagogisierung der Kinderbetreuung, wie in anderen Ländern, in denen ein höheres Gehalt auch durch eine höherwertige Ausbildung – ein Hochschulstudium – gerechtfertigt wird? Schaffen sich die Erzieher gerade selbst ab?

Ihr

Rainer Sander

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