DIE KOLUMNE: Lampedusa und Korfu Drucken E-Mail
Mittwoch, den 08. Juli 2015 um 07:30 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Satire „ein“! Der Kaffeeröster Tchibo ist bekannt dafür, alles zu verkaufen, was man legal unters Volk bringen kann. Schade, dass es Eduscho nicht mehr gibt, das hätte uns vielleicht einen interessanten Wettbewerb beschert. Jetzt gibt es sogar Inseln zu kaufen. Endlich! Mit Nord-Süd-Gefälle: Südsee ist erwartungsgemäß etwas kostspieliger als Nordatlantik. So ein kleines Eiland für die Flucht aus dem Alltag ab 60.000 Euro? Oder nichts wie weg, bevor der Euro-Zusammenbruch hier den Mercedes kostet oder das Haus am See gefährdet? Aber keine Sorge, der Zusammenbruch des Euro würde nicht unbedingt das Kapital treffen. Das würde „gerecht“ verteilt. Ich glaube aber nicht, dass da überhaupt irgendetwas bricht außer gegebene Versprechen und Vertrauen…

Europa war sowieso noch nie einfach. Über die Steinzeit wissen wir wenig, aber seit der Bronzezeit, so ab 2.200 v. Chr., dürfte kein Jahr vergangen sein, in dem nicht irgendein Volk gegen ein anderes Krieg geführt hat. Die Jahre der EU waren – vor allem für die Staaten der EU – die friedlichsten. Und Frieden hat seinen Preis, Krieg wird dagegen immer von denen bezahlt, die nicht auf die Tribünen- oder Logenplätze passen, sondern auf das „Spielfeld“ müssen. Das sind aber gleichzeitig diejenigen, die sich am leichtesten emotional aufhetzen lassen.

In der Deutschen Politiklandschaft gibt es nur zwei Parteien, die gegen die EU sind. Also, gegen eine EU, wie sie jetzt ist. Das sind die Linken und die AfD, die das Spiel mit der emotionalen Aufhetze gleichzeitig am besten verstehen. Der Kampf um das „Schlachtvieh“ ist seit dem vorletzten Sonntag eröffnet. Gysi hat gesprochen, Petry auch. Hugh! Der Vorteil? solange beide da sind, wissen beide auch, dass sie nie regieren und ihre Forderungen umsetzen müssen. Es sei denn, es kommt wie in Griechenland, dass Linke (Syriza) und Rechtspopulisten (Unabhängige Griechen) ihre gesamten Gemeinsamkeiten entdecken und koalieren. Das Ergebnis ist jetzt bekannt…

Ich würde gerne noch mal auf die Inseln zurückkommen. Es wäre doch schön, wenn Gysi und Petry eine Spielwiese bekämen, auf der sie hemmungslos – und ohne anderen zu schaden – beweisen könnten, wie viele Wahrheiten hinter ihren Worten stecken. Jedem eine Insel! Dann kann die AfD zeigen, wie sie ohne EU, mit Schutzzöllen und Handelsschranken in der Globalisierung klarkommt und die LINKE, wie sie ohne Kapitalisten und Banken das bedingungslose Grundeinkommen finanziert. Dank Tchibo sind Inseln zu Discount-Preisen zu haben. Die Chance kommt nie wieder!

Ich hätte da auch schon eine Idee. Die AfD bekommt Lampedusa im Mittelmeer. Die Insel ist extrem ausbaufähig und europaweit das beste Übungsfeld, um den „richtigen“ Umgang mit Flüchtlingen zu demonstrieren! Die LINKE bekommt Korfu (oder irgendeine andere griechische Insel) auf der viele Beamte leben, aber keine Verwaltung existiert und mindestens 25 Reeder steuerfrei mit ihren Schiffen um die Küsten schippern. Eine wunderbare Gelegenheit, die Umverteilung zu üben. Wenn die Linken dann mit den enteigneten Schiffen von Korfu nach Lampedusa flüchten und dort von der AfD ins Mittelmeer zurückgeschickt werden, hat das Experiment geklappt! Satire „aus“…

Ihr

Rainer Sander

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