DIE KOLUMNE: Freiheit Drucken E-Mail
Donnerstag, den 25. Juni 2015 um 17:08 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. In unserer Welt ist alles geregelt. Es gibt kaum einen Kilometer Straße, auf dem wir so schnell fahren dürfen, wie wir es wollen. Der Bebauungsplan bestimmt, in welche Himmelsichtung unser Dachgiebel zeigen darf und am besten, welche Farbe die Ziegel auf dem Dach haben dürfen. Wir wissen, wie wir den Müll trennen müssen und Gott sei Dank ist auch geregelt, wie laut die Band im Dorfgemeinschaftshaus auf unserer Hochzeit spielen darf. Demnächst wissen wir sicher auch, gegen das wir uns alles impfen müssen, um kein Bußgeld zu riskieren.

Und außerdem regelt die EU für uns, welche wenigen Getreidesorten noch angebaut werden dürfen oder wie ein Lebensmittel beschaffen sein muss. Wenn neue Grenzwerte festgelegt werden, werden wir mit Freude unsere Kaminöfen mit Rußfiltern nachrüsten oder uns neue kaufen. Dass wir nicht stehlen dürfen, was uns nicht gehört und auch nicht beschädigen dürfen, ist klar. Geraucht werden darf in Deutschland zwar noch nach dem Beischlaf, aber nicht mehr nach dem Essen im Restaurant und schon gar nicht beim Bier abends in der Kneipe.

Es ist auch geregelt, dass wir um Himmels willen nicht mehr als 10 Stunden am Tag arbeiten dürfen, dass wir sogar beim Kindergartenfest keinen Kuchen selbst backen dürfen, weil wir die lückenlose Dokumentation aller Zutaten nicht gewährleisten können. Und als Trainer die Jugendmannschaft im örtlichen Fußballverein für ein Taschengeld von ein paar Euro in der Stunde zu trainieren, das geht auch nicht. Wir können 8,50 Euro kassieren und 2/3 davon dem Verein wieder spenden.

Wir wissen bereits, dass wir nirgends Musik hören können, auch nicht auf dem Basar in der Grundschule, ohne den Urhebern etwas davon abzugeben. Die GEMA regelt das für uns. Wir können längst nicht mehr behaupten, dass wir keinen Fernseher und kein Radio haben: die Zwangsgebühr der GEZ ist für jedermann fällig. Dass man nicht einfach fremde Musik als die eigene ausgeben kann, nicht einfach Texte abschreiben darf und schon gar keine Bilder ohne Erlaubnis des Fotografen benutzen darf, ist schon seit jeher klar und einleuchtend. Das Urheberrecht. Doch jetzt will die EU auch einheitlich regeln, dass wir ohne weiteres gar keine eigenen Bilder mehr verwenden dürfen. Die „Panoramafreiheit“ soll abgeschafft werden.

In manchen europäischen Ländern ist es bereits Realität, dass weder öffentliche Gebäude noch Kunstgegenstände ohne weiteres fotografiert und veröffentlicht werden dürfen, wenn dies kommerziell geschieht. Und weil man bei Facebook automatisch der gewerblichen Nutzung aller Inhalte zustimmt, wird es – kommt das neue EU-Recht – unmöglich, das Brandenburger Tor oder den Hamburger Michel zu fotografieren und hochzuladen, ohne dafür das Einverständnis des Eigentümers zu besitzen. Na dann: immer einen Stapel mehrsprachige Genehmigungsschreiben mit der Kamera einpacken und dann bei jedem Urlaubsfoto klingeln und Unterschrift einholen…

Es lebe die Freiheit…!

Ihr

Rainer Sander

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