DIE KOLUMNE: Handys machen dumm? Drucken E-Mail
Donnerstag, den 04. Juni 2015 um 08:34 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Im Handy-Zeitalter findet Kommunikation grenzenlos und zeitlos statt. Telefon, E-Mail, SMS, WhatsApp, Facebook: wir sind immer und jederzeit ansprechbar. Mussten wir Leuten früher stundenlang hinterher telefonieren, Tage auf Briefe warten und vielleicht Sekretärinnen überwinden, so können wir heute unsere Anliegen stets unmittelbar vortragen. Just in Time!

Und gerne freuen wir uns, wenn auch unsere Kinder stets erreichbar und – nicht zuletzt – auch überprüfbar sind. Es ist noch gar nicht lange her, da haben wir uns bei Einführung von ISDN geärgert, dass die Telefonnummer sichtbar wird. Und jetzt ist der Tag nicht mehr fern, an dem wir uns ärgern werden, wenn wir den Standort des Anrufers nicht auch noch erkennen. Und dann ist es schön zu sehen, ob unsere Kinder in der Schule oder auf dem Fußballplatz sind und vielleicht können wir sogar orten, ob es der Klassenraum oder der Chemiesaal ist.

Gerade jetzt, wo wir die Zukunft so wunderschön vor Augen haben, jederzeit wissen, wer was wann wo mit wem tut, da überrascht uns eine Studie mit einem dramatischen Ergebnis. Intensive Handynutzung macht dumm! Es ist so, als würde man eine Woche Schulzeit pro Jahr streichen.

Ja, eine Studie aus Großbritannien hat die Leistungen von Schülern aus verschiedenen Jahrgangsstufen an Schulen mit und ohne Handyverbot verglichen. Das Ergebnis war schon ernüchternd: intensive Handykommunikation sorgt für deutlich schlechtere Leistungen und Noten in der Schule. 16-jährige Schüler hatten bei Handyverbot durchschnittlich 6 Prozent bessere Ergebnisse erzielt. Dabei ist es gar nicht einmal notwendig, das Handy in den Unterrichtsstunden stets im Auge zu behalten. Allein die Tatsache, dass die Kommunikation im Vordergrund steht und der Unterricht die unliebsame Unterbrechung darstellt, bindet ganz offensichtlich so erheblich Aufmerksamkeit, dass Schüler aufmerksam werden.

Aber jede Regel hat auch Ausnahmen! Und die sind in diesem Falle ebenso interessant: die leistungsstarken und guten Schüler, beeinflusst das Handy so gut wie gar nicht. Es sind die schwächeren Schüler und diejenigen aus unteren Schichten, die am meisten betroffen sind. Wer sowieso gut ist, den lenkt das Handy auch nicht ab. Damit wird das Handyverbot zu einem Motor für Chancengleichheit!

Übertragen wir das Ergebnis auf die Arbeitswelt, dann jetzt wird es viele Chefs geben, die Kopfnickend diese Zeilen lesen und wissen, dass viele ihrer Mitarbeiter den Job schlechter machen, wenn Handy und Facebook ständig präsent sind. Und jetzt könnte es auch noch so sein, dass diejenigen, die den schlechteren Job machen, am intensivsten von der Arbeit abgehalten werden? In der Schule geht eine Woche Unterrichtsstoff flöten. Und im Job? Eine Woche Urlaub streichen?

Ihr

Rainer Sander

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