DIE KOLUMNE: Gewerkschaft gründen? Drucken E-Mail
Mittwoch, den 20. Mai 2015 um 06:00 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Die Zahl der Existenzgründungen geht in Deutschland zurück. Dramatisch ist der Einbruch im Grunde, denn inzwischen sind es mit 4,34 Millionen so wenige Selbständige, wie zuletzt 2005, also lange vor der aktuellen Vollbeschäftigungsphase und vor der großen Wirtschaftskrise. Dem stehen 42,4 Millionen mehr oder weniger sichere und besetzte Arbeitsplätze gegenüber.

Gerade jetzt, wo Gründungen erfolgreich wären, weil die Wirtschaft floriert, nimmt die Bereitschaft ab, den Schritt zu wagen? Immer dann, wenn es sichere Jobs gibt, sinkt also der Mut?

Vor allem sinken dann die Bemühungen der Bundesregierung, Existenzgründer zu unterstützen. Sollen sie doch sehen, wie sie klar kommen, scheint die Devise zu sein. Sollte es mal wieder eine Phase der Arbeitslosigkeit geben, zum Beispiel weil die aufgeblähte Geldblase der EZB irgendwann platzen wird, dann werden die Hilfen wieder sprudeln und es wird wieder vom Gründerparadies Deutschland gesprochen.

Zurzeit ist Deutschland eher eine Gründungswüste und jetzt geht die Bundesregierung auch noch den Gewerkschaftsgründern an den Kragen. Da hat die GDL, die Gewerkschaft der Lokomotivführer gerade bewiesen, wie lukrativ es sein kann, eine kleine Gewerkschaft zu gründen. Bezahlte Gewerkschaftsführer sind krisenfeste Existenzen und um ein Haar hätte es ein Erfolgskonzept werden können:

Einfach mal bei Volkswagen eine Gewerkschaft der Fließbandreiniger gegründet, einen besonderen Tarifvertrag verhandelt und schon ist der Fuß in der Tür. Im Anschluss zwingt man dann den Konzern für alle Berufsgruppen einen neuen Tarifvertrag zu verhandeln, setzt den Lohn etwas höher an, als bei der großen Metallgewerkschaft und schon hat man so viel Zulauf, dass ein Gewerkschaftssekretär finanziert werden kann. Wenn Fachkräfte knapp sind, wird jeder Betrieb erpressbar.

Auch im Einzelhandel könnte das klappen. Erst mal für die Regaleinräumer oder eine andere kleine Berufsgruppe verhandeln und anschließend die Verkäuferinnen mit 10 Prozent mehr Gehaltsforderung ködern. Dann legt man ganze Branchen lahm, zwingt das Wirtschaftswachstum in die Knie und verärgert die Nation. Aber man kommt in den Nachrichten und das ist gut für die „Geschäftsentwicklung“. In diesem Falle jedenfalls. Und wenn es dann noch gelingt, ein paar Menschen davon zu überzeugen, dass es im Grunde um eine gute Sache geht, weil keiner diese verrückte Motivation glaubt, ist die Sache super gelaufen…

Das Tarifeinheitsgesetz könnte dem ein jähes Ende bereiten. Dann sind kleine Gewerkschaften noch möglich, aber sie müssten dann gemeinsam mit den großen Gewerkschaften einen gemeinsamen Tarifvertrag verhandeln. Herr Weselsky müsste seine Teamfähigkeit beweisen. Ich wäre gespannt…

Ihr

Rainer Sander

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